Handlungsorientierte KreativitätsTechniken  - KT
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neu durchgesehen: 23.03.2017

Hier beginnt nun Komplex 1 mit ausgewählten aktuellen Beiträgen zum Thema:

1. "Kreativitätstechniken (KT) - handlungsorientiert" bzw. KT der problemlösenen Kreativität (pK)

Sicher geht es nicht so lebhaft zu wie bei diesem Konzert [Foto KPH] in einer Dresdner Kirchenruine, aber auch interesssant und anregend sollen die folgenden Beiträge schon sein, die rund um die Thematk streuen und mach m. M.ausreichend informativ sind.

 

Bevor jetzt einzelne Beiträge folgen, soll erst einmal grob zu den zwei Begrifen der Überschrift "handlungsorientiert" und "problemlösend" Stellung genommen werden.

 

Der Begriff "problemlösend" hat sich erst in den letzten Jahren ab 2012 mit dem Buch von Heister (s. www.problemlösendekreativität.de), dem Beitrag zum Begriff in der Wikipedia und mit der Homepage www.problemlösendekreativität.de" verfestigt und durchgesetzt. Er ist -  wie bei letzterer und nachfolgend hier im ersten Beitrag "Statemente", der von dort übernommen wird, dargestellt wird - zwar nicht neu (vgl. dazu die "Historie der problem-lösenden Kreativität"), aber war bisher wenig gängig. Folglich hat das Buch "Handlungs-orientierte Kreativitätstechniken" diesen Begriff noch nicht genutzt. Es ist aber inhaltlich voll auf problemlösende Kreativität ausgerichtet - was mit der "Handlungsorientierung" und deren vorzugsweise angestrebte  Anwendung in Wissenschaft, Technik und der Wirtschaft zum Ausdruck gebracht werden sollte.

Beide o. g. Begriffe sollen also  ca. den gleichen Sachverhalt treffen.  

Dazu erfolgen im "Statement" weitere Ausführungen zu Kreativität, Alltags-, außergewöhn-licher und problemlösender Kreativität - also hoch problematische Themen.

 

Der Beitrag "Statement" wird nachfolgend wieder gegeben. Siehe dazu auch bei www.problemlösendekreativität.de. Das unten dazu Hochgeladene basiert auf den Arbeiten der Autoren dieser Webseite.


Berichte/Artikel zu Kreativität + Kreativitätstechniken 

 für Theorie und Praxis/Anwendung

 Ein Kundendienst für Nutzer des Webspace, um sich näher zu m. M. nach  wichtigen Themen zu informieren.

 

Hier werden in unregelmäßiger Folge aus Sicht der Webpacebetreiber wichtige

Beiträge zu Kreatvität, Kreativitätstechniken, ihrer Anwendung, Erfahrungsberichte einschlägiger Art, zu bemerkenswerter Literatur oder anderen inhaltlich für die 'Handlungsorientierten Kreativitätstechniken' bedeutsamen Beiträge wiedergeben.

Natürlich gelten für diese Beiträge - auch wenn sie von anderen Autoren stammen -, die Einschränkungen im Impressum und jede Haftung für Inhalt und dessen Richtigkeit sind ausgeschlosssen.

 

z. Z. sind hier wiedergegeben:

 

   0. Statement zu Kreativität, Alltags-, außergewöhnlicher und problemlösener

    Kreativität - erweiterte Fassung vom Dez. 2015

  1. Johannes Müller- der Begründer der Systematischen Heuristik.  von 2014

- siehe Extraseite:Gast Abtlg. Heuristik

   2. Problemlösende Kreativität mit System.   von 2014

  3. Vor der Idee(nfindung) steht die „richtige“ Aufgabenstellung (zu finden).

      von  Januar 2015

   4. Rezension zum Buch des Nobelpreisträger Kahneman: "Schnelles Denken,

     langsames Denken", was einiges zum Grundverständis der Arbeitsweise 

     unseres Gehirn interessant darstellt.  


 

0. Statement des Webspace www.problemlösendekreativität zu "problemlösender Kreativtät"

Entwurf der erweiterten Fassung von Klaus Stanke – 31.12.2015- s. dort

Unser Statement zu "problemlösende Kreativität"

 

Kraetivität,

außergewöhnliche und

problemlösende Kreativität.

 Das Bild von KPH zeigt hier drei Früchte - auch solch unterschiedlichen Inhalts???

 

 Kreativität hat für die Gesellschaft eine überragende Bedeutung. „Es besteht kaum bei jeman­den Zweifel darüber, dass unsere Kulturleistungen und die Errungenschaften des modernen Lebens Ergebnisse höchst intellektueller und kreativer Begabungen sind. ... Jedes Gemein­wesen sollte deshalb bestrebt sein, solche Begabungen aufzuspüren und sie in eine positive Richtung zu steuern, damit sie nutzbringend eingesetzt werden können.“ [He 1, S. 88].

Nur mit neuen Lösungen und Innovationen lassen sich Zukunftsaufgaben wie Nahrungs- und Ener­gieversorgung der ganzen Welt, Umweltstabilisierung u. a. bewältigen. Immer mehr hängt die Leis­tungsfähigkeit weltweit von den kreativen Fähigkeiten ab. Da diese sich nicht ohne „Zutun“ von selbst im genügenden Maße entwickeln und nutzen lassen, ist einfach viel mehr zur Förderung von Kreati­vität zu leisten. Nur so kann es gelingen, dass weiter genügend Lösungen mit hohem Anspruch be­reitstehen, um diese als Innovationen umsetzen zu können. Das bedingt, dem Verständnis der Krea­tivität mehr Aufmerksamkeit zu geben, um sie zielgerichtet fördern zu können.

Vgl. dazu auch Mehl­horn, J.: Vorwort zum Jahrbuch der Kreativität 2014 [Me 1, S. 5-9].

 

Mit diesem Statement soll ein konstruktiver Blick auf die Problemsituationen zu oben genannten drei Begriffen helfen, diese etwas näher aufzuschließen. So soll beigetragen werden, für die hoch wirk­samen Formen der außergewöhnlichen und problemlösenden Kreativität die Kreativitätsförderung und -anwendung zu verstärken.

1. Zu Definitionen zur Kreativität

In der Wikipedia [Wiki 3] findet sich zum Stichwort „Kreativität“ eine Definition nach Guil­ford: „Guilford bezeichnet als kreativ jede neue, noch nicht da gewesene, von wenigen Men­schen gedachte und effektive Methode {vgl. zu ‚Methode’ nachfolgenden Absatz}, ein Pro­blem zu lösen beziehungs­weise die Miteinbeziehung von Faktoren wie Problemsensitivität, Ideenflüssigkeit, Flexibilität und Originalität. Demzufolge wäre Kreativität die zeitnahe Lösung (Flexibilität) für ein Problem mit ungewöhnlichen, vorher nicht gedachten Mitteln (Originalität) und mehreren Möglichkeiten der Problemlösung (Ideenflüssigkeit), die für das Individuum vor der Problemlösung in irgendeiner Weise nicht denkbar ist (Problemsensitivität)“.

Diese Definition der Kreativität ist sicher eine von vielen. Der dort gewählte Begriff ‚Methode’ für kreativ’ trifft u. M. nicht genügend zu, besser wäre evtl. ‚Lösung für ein Problem’ – also ergebnisorientiert. Hätte der prozessuale Aspekt betont werden sollen – was sicher nicht so treffend ist, aber durch den sehr handlungsorientierten Begriff „Methode“ erfolgt – sollten die neutraleren Begriffe wie ‚Art’ oder ‚Vorgehensweise’ den doch strenger besetzten Begriff Methode besser ersetzen. Denn erst nach Abschluss des kreativen Prozesses – wenn es richtig ist, dass ein kreatives Ergebnis als solches erst eingeschätzt werden kann, wenn es (mindestens in groben Zügen) vorliegt - kann hinreichend beurteilt werden, ob das Ergebnis tatsächlich im benannten Sinne kreativ sei. Als weiteres Bedenken gegen den verwendeten Begriff ‚Methode’ kommt hinzu, dass ‚Me­thode’ doch den Vorzug gegenüber den möglichen Lösungen hat, das Invariante, das Allgemeine, das für viele Anwendungsfälle Nutzbare zu sein. Der Stein der Weisen wäre z. B. dann eine solche uni­verselle Methode. Da aber keiner – auch nicht „wenige Menschen“ - über eine Methode (quasi ge­pachtet) verfügen, deren Anwendung zulässt, (alles oder viele) Probleme kreativ zu lösen, erscheint diese Konkretisierung als nötig. Vielleicht hat hier die künstlerisch-musische Kreativität einen Hinter­grund geliefert, denn wenn wirklich jedes Bild von Picasso kreativ sei, dann könnte seine Malmethode tatsächlich die Kreative sein. Bei problemlö-sender Kreativität in Wissenschaft und Technik tritt das selbst bei Patentinhabern mit Tausenden Patenten nicht auf - und trifft es auch nicht zu.  

Etwas mehr aufklärend zum Begriff Kreativität wirkt a. a. O. die ergänzende Darlegung [Wiki 4]: „Aus Sicht der modernen Neurobiologie kann man Kreativität als: „Neuformation von Informationen“ defi­nieren. Daraus ergeben sich praktische Konsequenzen. Um Informationen neu kombinieren und ver­arbeiten zu können, müssen sie neuronal gespeichert sein. Das heißt sie müssen durch Lernen im Ge­dächtnis vorhanden sein. Der kreative Funke kann nur das entzünden, was schon vorhanden ist. Kre­ativität im weitesten Sinn beruht auf der Fähigkeit, die Lücke zwischen nicht sinnvoll miteinander ver­bundenen oder logisch aufeinander bezogenen materiellen und nichtmateriellen Gegebenheiten durch Schaffung von Sinnbezügen (freie Assoziation) mit bereits Bekanntem und spielerischer Theoriebil­dung (Phantasie) auszufüllen. So gehören auch ungewohnte Kombinationen von bekannten Mate­rialien oder die Durchbrechung der üblichen Verwendungsschemata von funktionsgebundenen Ge­brauchsgegenständen im Spiel, beim Probehandeln und als Gedankenspiel wesentlich zur Kreativität“.

Und unter „Forschungsgeschichte der Kreativität“ wird dort [Wiki 4] zu Kreativität ausgeführt:

Guilford beschrieb das Wesen individueller Kreativität durch folgende grundlegende psychische Merkmale

Problemsensitivität (erkennen, dass und wo ein Problem besteht) 

Flüssigkeit (in kurzer Zeit viele Ideen hervorbringen)

Flexibilität (gewohnte Wege des Denkens verlassen; neue Sichtweisen entwickeln)

Redefinition (bekannte Objekte neu verwenden, improvisieren)

Elaboration (anpassen der Ideen an Realität)

Originalität. ... Nach Guilford ist Kreativität eine spezielle Form des Denkens.

Kreativität ist nicht einfaches „Produzieren“ von Ideen, sondern liegt erst dann vor, wenn die Ideen originell, neuartig, sinnvoll, problemspezifisch und nützlich sind bzw. einen Nutzen bzw. eine gewisse Verwertbarkeit erwarten lassen.

Was ‚kreativ’ ist, zeigt erst das Resultat!

Kreativität ist ein so ähnlich komplizierter Begriff wie „Gesundheit“. Gesundheit ist Abwesenheit von Krankheit. Aber was ist Krankheit? Für den einen etwas Unwohlsein, für den anderen Grund, eine Woche zu fehlen. Nur für die Krankenkasse, die Steuer, das Arbeits­amt u. ä. Einrichtungen gibt es starre Regeln. Die Menschen leben damit, dass sie im Kern, im Schwerpunkt des breiten Be­griffs wissen, was Gesundheit ist. Und genau so reicht diese Vergleichserklärung für den Begriff ‚Kreativität’. Wir beschreiben deren Kern „durch das Ergebnis eines kreativen Prozesses, Neues hervorgebracht zu haben“. Eigentlich wissen wir somit erst hinterher, ob ein kreativer Prozess vorlag. Das genügt doch auch, denn oft ist schon die Absicht löblich!“ stellt [St 1, S.17] fest.

Kreativität kann praktikabel so beschrieben werden [St 1, S.17]: „... sollte ... versucht werden zu klären, was Kreativität eigentlich ist. Man kann sie auch mit Schöpfertum bezeichnen. Dieser deut­sche Begriff bezieht vorteilhafter weise deutlicher den Mensch als Hervorbringer des Schöpferischen ein (aber wird z. B. in der Religion anders gebraucht und der Schöpfertumsbegriff ist auch darüber hinaus deutlich breiter in der Verwendung als Kreativität). Fremdworte – wie Kreativität – sind allerdings modern und lassen sich besser „einsortieren“, so z. B. von der kirchlichen Verwendung des Begriffs abgrenzen.

Kreativität kennzeichnet die Fähigkeit des Menschen, Neues, in gleicher Eigenart noch nicht Dagewesenes, hervorzubringen.

Eigentlich könnte noch ergänzt werden: „was besser sei“. Aber was ist „besser“? Wer bestimmt das? Schon damit könnte der Definitionsstreit losgehen. Hinzu kommt z. B.: wenn etwas nachempfunden oder nacherfunden wird, ohne dass es dem so ‚Kreativen’ vorher bekannt war, dann liegt doch die gleiche schöpferische Leistung vor, oder? Wenigstens subjektiv (bezogen auf das Individuum), objek­tiv wohl nicht (bezogen auf das Wissens-, Fähigkeits- und Denkvermögen der Gesellschaft; bei einem Kunstwerk schon gar nicht). Aber was ist objektiv, wer bestimmt das?"

Es lassen sich je nach Autor viele weitere Begriffsfestlegungen oder Vorschläge finden. Die ideale Fassung ist bisher offensichtlich nicht dabei, auf die sich alle einigen könnten. Für den praktischen Prozess erscheint eine nach allem und allen abgestimmte Definition nicht als unbedingt nötig, wenn im Kern erfasst wird, was unter Kreativität zu verstehen ist.

Allerdings gibt Zobel [Z 2] aus seinem sehr breiten Fundus von Büchern zur Kreativität {s. Litera­turliste oder einfach www.dietmar-zobel.de} eine knappe, aber sehr treffende Definition der Krea­tivität an, die das Phänomen anspruchsvoller Kreativität gut trifft:

Kreativität ist die Fähigkeit, aus Gegebenem ungewöhnliche Schlüsse zu ziehen und Ungewöhnliches schaffen zu können.

Er erläutert dazu weiter: Das „Gegebene“ ist das jedermann verfügbare Assoziations-material; es sind so zu sagen die „Bauelemente unserer Wirklichkeit“. Dazu gehört das konventionelle Wissen, die uns bekannten Stoffe und Objekte aller Art, unsere Kenntnisse von Energien, Verfahren, Vorrichtungen, die theoretischen Grundlagen bekannter Prozesse einschließlich der informationellen u. a. m.

Mit dieser Definition soll der kurze Exkurs zu „Kreativität“ abgeschlossen werden. Er klärt etwas zur Kreativität auf und macht deutlich, der ‚Stein des Weisen’ ist für eine Definition nicht nötig. Es reiche durchaus, sich mit diesen ausgewählten Aspekten identifizieren zu können, um auf dieser Basis sich dann den anderen Kategorien der Kreativität zu wenden zu können.

Fortsetzung des "Statement"  siehe nach Beitrag Nr. 4

 


  Beitrag 1. Johannes Müller- der Begründer der Systematischen Heuristik

 

► steht jetzt auf der siehe Extraseite "Gastseite Abtlg. Heuristik"

 

 

 

 

Das Getriebe-Bild

von KPH soll zeigen,

dass Müller von anfangan

die Verbindung zur Technik - konkret

 zu den Konstruktionswissenschaftlern

sehr erfolgreich gesucht hat.

 

 

 

 


2. Problemlösende Kreativität mit System

von  Dietmar Zobel

 

Das Bild "Gelbrausch"

von KPH gibt mir eine

gute Empfindung

zum Systembegriff.

 

Hochwertige kreative Lösungen im Bereich von Wissenschaft und Technik erforderten stets - und erfordern noch heute - Phantasie und Intuition. Allerdings sollte der Kreative nicht einfach „ins Blaue“ hinein arbeiten, sondern unbedingt die Möglichkeiten nutzen, die ihm von den modernen Kreativitäts-methoden eröffnet werden. Der Widerspruch zwischen den Begriffen „Intuition“ und „Systematisches Vorgehen“ erweist sich dann als nur scheinbarer Widerspruch. Viele Kreative wissen inzwischen, dass methodische Hilfen die Kreativität nicht etwa ausschalten, sondern sie vielmehr auf Erfolg versprechende Lösungen lenken.

 

So sind wir denn heute nicht mehr auf Zufälle oder den so genannten „göttlichen Funken“ angewiesen. In den letzten Jahrzehnten wurden beispielsweise die Methoden des Brainstorming, der Morphologie, der Bionik und der Synektik zu einem beachtlichen Stand entwickelt. Jedoch arbeiten diese in der Kreativitätsliteratur und den einschlägigen Seminaren bevorzugten Methoden nicht genügend systematisch. Das intuitive Element wird überbetont, und die Fülle der so erzeugten Ideen führt - insbesondere beim Brainstorming - zu einem neuen Problem: bin ich - auch nach Anwendung einschlägiger Bewertungsver-fahren - wirklich sicher, die allerbeste Idee für die weitere Bearbeitung ausgewählt zu haben?

Wünschenswert wäre demnach eine komplexe Methode, die - nach gründlicher Analyse der zu lösenden Aufgabe - nur wenige, dafür aber garantiert hochwertige, gewissermaßen vorgeprüfte, praxis-taugliche Ideen liefert.

Es gibt einen solchen Denkansatz, der verlässlich, gleichsam auf einem Leitstrahl, von der richtig gestellten Aufgabe zum annähernd idealen Resultat führt. Diese noch immer viel zu wenig bekannte Methode beruht auf dem „Algorithmus zur Lösung erfinderischer Aufgaben“ (ARIZ) nach G.S. Altschuller, von ihm weiter entwickelt als „Theorie zum Lösen erfinde-rischer Aufgaben“ (TRIZ). Dabei wird zunächst eine gründliche Stärken-Schwächen-Analyse des vorhandenen Systems vorgenommen, und zwar mit dem Ziel, den Kern des zu lösenden Problems herauszuarbeiten. Sodann wird das angestrebte Ideale Endresultat definiert. Es folgt die Formulierung der Widersprüche, die auf dem Wege zum Ideal zu überwinden sind. Schließlich werden verlässliche Lösungsstrategien (Prinzipien zum Lösen Technischer Widersprüche) eingesetzt. Entscheidend ist die Widerspruchsformulierung, denn eine jede - durch Optimieren nicht lösbare - hochwertige Entwicklungsaufgabe ist mit einer paradoxen Forderung verknüpft: etwas muss da und dennoch nicht da, heiß und zugleich kalt, offen und dennoch geschlossen sein (konventionelle Antwort: „Das geht nicht“ ). Über eine Matrix werden nach Altschuller dann die zur Lösung des zunächst unlösbar erscheinenden Widerspruchs tauglich erscheinenden Prinzipien ausgewählt. Jedes Prinzip ist mit vielen Beispielen aus den unterschiedlichsten Fachgebieten belegt, extrahiert aus Zehntausenden von Patentschriften. Die kreative Tätigkeit des Erfinders besteht nun in der „Übersetzung“ eines geeigneten Beispiels zwecks Schaffung eines im eigenen Fachgebiet neuen, in anderen Gebieten aber durchaus nicht neuen Mittel-Zweck-Zusammenhanges.

 

Außer den Prinzipien zum Lösen Technischer Widersprüche verfügt die Methode noch über weitere verlässliche Strategien: Standards zum Lösen von Erfindungs­aufgaben, Physikalische Effekte, Stoff-Feld-Regeln, Separationsprinzipien zum Trennen bzw. Vereinigen einander anscheinend ausschließenden erfinderischen Forderungen. Inzwischen gibt es moderne Computerprogramme zum TRIZ-System, die sich jedoch erfahrungsgemäß nur nach Erlernen bzw. Verinnerlichen der zugrunde liegenden Denkweise effektiv nutzen lassen.

 

Wir erkennen, dass es sich offensichtlich nicht nur um eine Erfindungs- sondern um eine übergreifend gültige bzw. universell nutzbare Denkmethode handelt. Hauptziel ist das Vermeiden von - häufig faulen - Kompromissen: gewöhnlich wird an einer Kennziffer ein bisschen herumverbessert, wobei nicht selten andere - ebenfalls wichtige - Kennziffern auf Kosten der verbesserten Kennziffer auf der Strecke bleiben. Das Resultat wird dann mit dem positiv besetzten Wort „Optimierung“ schön geredet. Methodischer Kernpunkt von TRIZ ist deshalb das Widerspruchsdenken: es sichert, falls ein System weiß und schwarz zugleich zu sein hat, dass nicht etwa grau herauskommt. Wir erkennen, da es sich hier nicht um logische Widersprüche handelt, sehr deutlich die Nähe zur Hegelschen Dialektik (These, Antithese, Synthese). Dies wiederum erklärt die enorm anregende Wirkung einer derartigen Betrachtungsweise: viele Beispiele auf hohem (sinngemäß erfinderischem) Niveau finden sich in künstlerischen Darstellungen. Insbesondere gilt dies für Karikaturen. Deren Wirkung beruht geradezu auf der ungewöhnlichen Verknüpfung an sich ganz gewöhnlicher Sachverhalte, d.h. letztlich auf der Darstellung einer unkonventionellen Lösung dialektischer Widersprüche. Wir erkennen hier übrigens auch die Nähe zu ungewöhnlichen - und damit besonders wirksamen - Werbebotschaften. Im Management dürften über das Konventionelle hinausgehende, wirklich neue Lösungen wohl ebenfalls nur über die TRIZ-Strategie zugänglich sein.

 

Die Altschuller-Denkweise wurde in den letzten Jahren von vielen Autoren weiter entwickelt. Stellvertretend genant seien Terninko, Zusman und Zlotin, Linde und Hill, Herb, Herb und Kohnhauser, Livotov und Petrov, Orloff sowie Zobel. Letzterer hat inzwischen eine Reihe von Vereinfachungen, Ergänzungen, Erweiterungen, Veränderungen und Vorschlägen zur Verbesserung der Methodik eingebracht. Sie seien hier kurz zusammengefasst:

 

•   Aufbau einer Hierarchie der Prinzipien zum Lösen Technischer Widersprüche: Universalprinzipien - minder universelle Prinzipien - für bestimmte Fachgebiete anwendbare Lösungsvorschläge.

• Neue Sicht auf die Umkehr- und die Analogieeffekte. Nachweis methodischer Defizite bei Spitzenwissenschaftlern und berühmten Entdeckern. Praktische Empfehlungen zum generellen Einsatz des Umkehrprinzips sowie zum systematischen Denken in Analogien.

•   Ausweiten der von Altschuller ursprünglich überwiegend maschinentechnisch orientierten Beispielsammlung auf die Gebiete Chemische Technologie sowie Medizin und Medizinische Technik.

•   Wichtige TRIZ-Bausteine als Elemente übergeordneten Denkens. Beispiele aus den Gebieten Literatur, Karikaturen, Aphorismen und Werbung. TRIZ als universelle Denkmethode. 

•   Ein bisher noch nicht beschriebenes, universell gültiges Gesetz der Entwicklung Technischer Systeme:

„Die Funktionsfähigkeit eines Systems wird primär nicht durch konstruktive Gesichtspunkte, sondern durch die sich aus dem Verfahrens-Funktions-Prinzip ergebenden Notwendigkeiten bestimmt“.

•    Denkfelder und Ideenketten: Beispiele zur systematischen Mehrfach-Anwendung ein und desselben physikalischen Effekts für analoge Lösungen auf sehr verschiedenartigen Gebieten. Verbindenden Gemeinsamkeit ist die Nutzung des „Von Selbst“-Prinzips.

•     Sieben Elementarverfahren, anwendbar sowohl in der systemanalytischen wie auch in der systemschaffenden Phase.

•     Vorschläge zur sinnvolleren Nutzung der „klassischen“ Kreativitätsmethoden unter Einsatz der TRIZ-Denkweise.

•     Anleitung zum Formulieren von Patentschriften unter konsequenter Verwen­dung der widerspruchsorientierten TRIZ-Terminologie. Standardformulie­run­gen für eine erfolgreiche Patentanmeldung.

•    TRIZ-basierte Fragen als Instrumente zum Bewerten aktueller Verfahren und Produkte, zum Beurteilen der Güte von Projekten sowie zum Bewerten des Niveaus neuer Lösungen.

•    Ein großer Erfinder aus Sicht des Methodikers: die Arbeitsweise des Leichtbau- und Flugzeugpioniers Hugo Junkers.

    

Literaturquellen

 

[A1]  G. S. Altschuller, Erfinden – (k)ein Problem ? Verlag Tribüne, Berlin 1973

 

[A2] G. S. Altschuller, Erfinden - Wege zur Lösung technischer Probleme, Verlag Technik, 2. Auflage Berlin 1986

 

[Zo2] D. Zobel, Erfinderpraxis - Ideenvielfalt durch Systematisches Erfinden, Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1991

 

[L2] H.-J. Linde u. B. Hill, Erfolgreich erfinden - Widerspruchsorientierte Inno-vationsstrategie für Entwickler und Konstrukteure, Hoppenstedt Technik Tabellen, Darmstadt 1993

 

[T1] J. Terninko, A. Zusman u. B. Zlotin, TRIZ – Der Weg zum konkurrenzlosen Erfolgsprodukt. (Hrsg.: R. Herb). verlag moderne industrie, Landsberg/L. 1998

 

[H6] R. Herb, T. Herb u. V. Kohnhauser, TRIZ - Der systematische Weg zur Innovation, verlag moderne industrie, Landsberg/Lech 2000

 

[Or1] M. Orloff, Meta-Algorithmus des Erfindens, TRIZ - Kurs für Profis. Lege Artis M&V Orloff GbR, Berlin 2000

 

[Zo3] D. Zobel, Systematisches Erfinden - Methoden und Beispiele für den Praktiker. expert-verlag Renningen, 1. Aufl. 2001, 2. Aufl. 2002, 3. überarbeitete und erweiterte Aufl. 2004, 4. durchgesehene Aufl. 2006, 5. vollständig überarbeitete und erweiterte Aufl. 2009

 

[Li2] P. Livotov u. V. Petrov, TRIZ Innovationstechnologie, Produktentwicklung und Problemlösung. Handbuch, TriSolver Cosulting, Hannover 2002

 

[Zo4] D. Zobel, TRIZ FÜR ALLE. Der systematische Weg zur Problemlösung. expert-verlag Renningen, 1. Aufl. 2006, 2. Aufl. 2007, 3. Aufl. 2011

 

[Zo5] D. Zobel, Kreatives Arbeiten. Methoden - Erfahrungen - Beispiele. expert-verlag Renningen 2007

 

[Zo6] D. Zobel u. R. Hartmann, Erfindungsmuster. TRIZ: Prinzipien, Analogien, Ordnungskriterien, Beispiele, expert-verlag Renningen 2009.

 

 

Die kreativen Problemlöser

Autor: Dr. Dietmar Zobel  Aug.2014

 

 


3. Vor der Idee(nfindung) steht die „richtige“ Aufgabenstellung (zu finden).

 

Von der  ursprünglichen

Aufgabenstellung zu deren

nötigen Präzisierung ist es

normalerweise

ein großer Sprung -

KPH's Bild  der ansetzenden

Heuschrecke

ist dafür doch so etwas

wie eine Anregung.

 

 

Nachfolgender Beitrag von Dr. Stanke beruht auf einem Artikel im ‚Jahrbuch der Kreativität 2014’ [www.jahrbuch-kreativität.de]. Mit dankenswerter Unterstützung durch Herrn Doz. Dr. Dietmar Zobel entstand vorliegende überarbeite Fassung.

Januar 2015

Inhaltskurzfassung:

Eine richtige Fragestellung in der Analyse ist oft mehr als der halbe Weg zum Erfolg. Dem gilt der erste Unterpunkt: „Lösungen sind nötig – nicht ewige Vorbereitung“.

Die Aufgabenstellung (AST) ist i. d. R. die erste Stufe in auf Innovationen gerichteten Arbeitsprozessen. Innovationen erfordern Kreativität. Und Kreativität bedeutet, etwas „Neues“ hervorzubringen, das sinnvollerweise besser als das bisherige sein soll und so noch nicht da war.

Wenn es also beim Ziel der AST letztlich um Neues geht, ist eigentlich verständlich, dass das eigentlich Neue eigentlich unbekannt ist, also eigentlich schwer zu beschreiben ist. Das ist das innere Dilemma jeder „echt“ kreativen AST. 

Klar folglich, dass AST nahe zu immer ungünstig formuliert sind oder falsche Vorgaben enthalten, unvollständig oder „vergiftet“ usw. - kurz mit Mängeln behaftet sind. Ohne gründliche Analyse werden diese Mängel meist erst im schon weit fortgeschrittenen Ar­beitsprozess - dann mit immensen Korrekturaufwand – erkannt; wenn es überhaupt möglich ist, sie zu beseitigen.

Konsequenterweise sieht der Autor einen bestimmenden Schwerpunkt jeder, aber beson­ders der methodenbewussten Kreativitätsförderung bei den Analysestrecken der Aufga­benaufbereitung liegen. Vier Gründe werden dafür benannt.

Allerdings stehen Analysen in der gängigen Literatur der Kreativitätstechniken klar im Hin­tergrund zu dem „Ideenfinden“. Sind Ihnen z.B. Analysemethoden für AST geläufig?

Die Wichtigsten nennt eine Tabelle von Analysearten mit Bezug zum Problemlösungs-prozess.

Bei Analysemethoden gilt als Grundsatz „nicht schnell durch“, sondern so gründlich wie nötig. Keine Unterschätzung dieser notwendigen, wenn auch oft für den Kreativen lästigen Phase. Es kann sogar eine Mehrstufigkeit von Analysen notwendig werden.

Für die Akzeptanz der „Analysearbeit“ ist zu klären, warum eigentlich Analysen wirksam sein können für den kreativen Prozess? Ihre Wirkprinzipien werden erläutert und mit Beispielen kommentiert!

Nachfolgend orientiert sich der Text auf die so genannte „Auftaktanalysen“ als Start für kreatives Arbeiten. Die Einbindung in den Problemlösungsprozess wird dargestellt. Eine ‚Stabskarte’ für die gängigen Analysemethoden zu Auftaktanalysen unterstützt die oft schwierige Wahl der am günstigsten geeigneten Analysemethode . Wichtige, einfach gut nutzbare sieben Praxisempfehlungen sind eine Strategie für die eigenständige Nutzung der Analysemethoden. Damit schließt der Beitrag.

Schwerpunkte:

•        Lösungen sind nötig, nicht ewige Vorbereitung

•        Warum ist die Analyse der Aufgabenstellung ein Schwerpunkt  

          der Kreativitätsförderung?

•        Analysearten

•        Zweistufigkeit von Analysen in der wissenschaftlich—technischen Arbeit

•        Warum funktioniert eine Analyse?

•        Problemsensibilität / Einbindung in den Problembearbeitungsprozess

•        Konzentration auf Auftakt-Analysen / „Stabskarte für Auftaktanalysen“

•        Praxisempfehlungen für Auftaktanalysen

•        Literatur.

 1. Lösungen sind nötig, nicht ewige Vorbereitung

1.1 Wert einer Aufgabenanalyse

W. Heisenberg wird in Heister [He 1, S.266] zitiert „Die richtige Fragestellung ist oft mehr als der halbe Weg zum Erfolg“. Diese Frage ist mit der Analyse der jeweiligen Aufgabe gleich zu Anfang zu stellen. Erst sollten wir wissen, was wir wollen und um was es uns warum tatsächlich geht. Ist das aber nicht jedem ernsthaften Bearbeiter klar?

Keineswegs! Aufgabenstellungen sind die problematischste Schwachstelle im Problem­lösungsprozess. Dort liegen beim Problemlösen die größten Risiken für fehlerhaftes Vorgehen, Missverständnisse, Ursachen von Doppelarbeit, Vergeudung von Arbeitszeit und Kapazität, Irrtümer und Misserfolg. Das ist nicht Vermutung, sondern praktische Realität. Es trifft leider auch oder gerade für die Problemlösungen im Bereich Wissen­schaft, Technik sowie in der Wirtschaft zu. Obwohl deren Problemlösern doch meist von vornherein hoch qualifizierte Arbeit unterstellt wird!

Das ist aber gar kein Widerspruch. Denn es geht bei diesen Aufgabenstellungen (AST) in der Regel um zu betretendes Neuland. Es sind kreative Lösungen nötig, zu denen - außer Wünschen oder etwas klarer formulierten Aufträgen - kaum mehr vorliegt, wenn die Lösung tatsächlich neu, also eigentlich noch unbekannt sein soll. Daraus resultiert ja diese Schwachstelle. Wie kann dieser Schwachstelle, diesem Risiko, gegen gewirkt werden?

Schon bei der breiten Palette an Literatur über Kreativität und Kreativitätstechniken, die bei kreativen Lösungen unterstützend helfen sollen, fällt auf, dass dem Ideenfinden (z.B. mit Brainstorming u. ä.) viel Aufmerksamkeit durch geeignete Kreativitätstechni­ken eingeräumt wird. Aber sehr viel seltener wird eine Methode, eine gestaltete Krea­tivitätstechnik oder Vorgehensweise zu Analysen der Aufgabe dargestellt oder hinrei­chend erläutert (dazu später eine gesonderte Aussage). Leider sind solche Kreativitäts­techniken zur Phase der Aufgabenstellung auch in der praktischen Beherrschung gar nicht so verbreitet. Selbstverständlich gibt es sie in Literatur und Praxis - aber oft nicht mit der nötigen Wertigkeit z.B. gegenüber dem Ideenfinden. Viele Literaturquellen befassen sich lieber mit dem Zünden der Idee, dem - zugegeben nicht einfachen - ‚Besteigen der Bergspitze’, als auch mit der Analyse der Aufgabenstellung dazu, dem steinigen und langwierigen Weg durch die Ebene zur Vorbereitung des richtigen Aufstiegs auf den Berg. Das ist auch beim Bearbeiter oft so! Eine (z. T. auch komplizierte, aufwändige, langwierige bzw. nicht schnell der Lösung nahe kommende, aber) objektiv nötige Vorbereitung der Lösung ist subjektiv unbeliebt. Ein Schnell­schuss hat die positive Einstufung als ‚Schnäppchen’. Scheinbar ein zutiefst mensch­liches Hoffen! ► Aber der Analyse der Aufgabenstellung die nötige Wertigkeit zu zu­ordnen, ist ein erfolgreicher Weg zur Risikominimierung.

Das nicht zu tun, erklärt sich eigentlich daraus, dass gerade in diesen Fällen voll und schon frühzeitig auf die ‚Intuition’ gehofft wird. Der ‚Funke’ würde so schon kommen und das Problem würde damit quasi im Vorbeigehen gelöst! Aber nicht in Wissen­schaft, Technik und Wirtschaft! Da ist ernsthafte Arbeit gefragt und die Erfolgreichen berichten begründet mehr über den ‚Schweiß der Ebene’ und den nicht einfachen Weg, bis die Lösung genügend klar und vorbereitet war, als über das Ideenzünden selbst. Duncker [2, S.9/10] beschreibt schon ca. 1930: Die Endgestaltung des ... Lösungsvorschla­ges wird im Allgemeinen nicht in einem einzigen Schritt von der ursprünglichen Problemstellung her erreicht, sondern ... in sukzessiver Konkretisierung ... entwickelt sich die Endgestaltung der ... Lösung. ... Die Findung einer allgemeinen Lösungseigenschaft ist nun (jedes Mal) gleich bedeutend mit einer Umformung des ursprünglichen Problems. ... Wir können somit einen Lösungsprozess ebenso als Entwicklung der Lösung wie als Entwicklung des Problems beschreiben.“ Ähnlich äußern sich zum Einfluss der Aufgabenstellungsanalyse auch viele andere Kreativitätstech­niker. Es gilt sogar die Aussage: wenn es richtig ist, im Problemlösungsprozess rationell vorzugehen – also Aufwand zu sparen –, bedeutet ‚rationell’ für die Analysephase der Aufgabenstellung: diese besonders gründlich, ja langsam zu durchlaufen, dort keineswegs Zeit, Zwischenschritte usw. einzusparen. Die Analyse der Aufgabenstellung präzisiert schließlich das Ziel, den Zweck und die nötigen Aktivitäten des Problemlösens. Je besser sie das tatsächliche Ziel erfasst, umso weniger Umwege, Fehlentscheidungen und Irrtümer verlängern den Weg zur Lösung. Das ist der entscheidende Wert der Analyse für die Problembearbeitung.

     1.2 Das Dilemma jeder ‚echt’ kreativen Aufgabenstellung

Die Aufgabenstellung ist i. d. R. die erste Stufe in auf Innovationen gerichteten Arbeitspro­zessen. Für Innovationen ist Kreativität letztlich der Kern der Aufgabe. Die Aufgabenstel­lung hat dabei eine interessante Konstellation bezüglich dieses Kerns zur Lösung und des zu bestimmenden Zieles: 

·             Kreativität bedeutet, etwas ‚Neues’ hervorzubringen, das so noch nicht da war und sinnvollerweise besser als das Bisherige sein soll.

·             Wenn es also beim Ziel tatsächlich um Neues geht, ist eigentlich verständlich, dass das eigentlich Neue eigentlich unbekannt ist, also eigentlich schwer zu beschreiben ist.

Das ist das Dilemma jeder „echt“ kreativen Aufgabenstellung. Denn das ‚unbekannte Neue’ klar genug zu beschreiben, geht eigentlich gar nicht!

Daraus wird verständlich, dass solche Aufgabenstellung nahe zu immer ungünstig formu­liert sind oder falsche Vorgaben enthalten, unvollständig oder „vergiftet“ usw. – kurz mit Mängeln behaftet – sind. Es darf konsequenterweise keine Ideenfindung beginnen, wenn nicht die dazu genutzte Aufgabenstellung entsprechend aufbereitet, präzisiert ist. Ohne gründliche Analyse werden vorhandene Mängel der Aufgabenstellung meist erst im schon fortgeschrittenen Arbeitsprozess erkannt. Sie können – wenn überhaupt – meist nur mit immensem Aufwand wieder korrigiert werden. Symbolisch: die ‚eingesparte’ Zeit beim Bestimmen der nötigen Richtung (des richtigen Zieles), kann nicht den Zeitaufwand kompensieren, der entsteht, wenn (auch mit hohem Tempo) in eine falsche Richtung gerannt wurde. Und viel zu oft werden fehlerhafte Richtungen eingeschlagen und vorschnell in diese zu rennen begonnen!

Deshalb stellt der Autor diese Thematik hier dar und fordert für praktische Kreativitäts­förderung die ‚Analysestrecken der Aufgabenaufbereitung’ als einen entscheidenden Schwerpunkt des methodenbewussten Vorgehensweisen einzuordnen. Wie bereits oben erwähnt, wird das keineswegs allgemein so in der populären Literatur gewertet.

Warum sieht der Autor einen Schwerpunkt der methodenbewussten Kreativitätsförderung bei den Analysestrecken der Aufgabenaufbereitung liegen [St 1, S. 73)?

1. bereits in der Startphase werden für ‚fehlende’ oder ‚unwirksame Innovationen’ die Fehler gemacht;

2. der Einfluss einer ‚richtigen’ Aufgabenstellung auf die Lösungseffizienz ist i. d. R. größer als der einer rationellen Bearbeitung;

3. der Bearbeiter braucht externe Hilfe am meisten am Anfang der Bearbeitung. Dort herrscht seine größte Unsicherheit, springt er zwischen Alternativen, dort ist - auch fachliche - Vielfalt gefragt. Gegen Ende der Bearbeitung kann methodische Hilfe von außen sogar unerwünscht oder gar als hinderlich gewertet werden.

4. Langjährige Erfahrungen bestätigen, dass Analysemethoden geeignet sind, an ihnen den Umgang mit heuristischen Methoden und Kreativitätstechniken zu trainieren.

     1.3 Ein simples Beispiel für den kreativen Einfluss einer Analyse

Es geht um eine für das Gebiet an sich untypische Denksportaufgabe. Der Leser kann sie also durchaus überspringen, sie verdeutlicht nur den Wert einer Analyse.

Es seien vier Dreiecke aus sechs (unveränderten) Streichhölzern zu formen (zu skizzieren).

Ein erster kluger Analyseansatz sagt z. B: für vier Dreiecke benötige ich 4x3 Streichhölzer, also 12. Ich habe nur die Hälfte! Eigentlich ein Widerspruch oder jedes Streichholz sollte zwei Dreiecken dienen! ►Ein Lösungsversuch wäre schon: probieren, wie ich die Streichhölzer legen kann, dass sie zwei Dreiecken dienen. Damit - oder als Fortführung der Analyse im Gedankenexperiment - erkenne ich, egal wie ich sie aneinander lege, immer gibt es einige Außenhölzer, die nur einem Dreieck dienen. Das kann nicht der Weg zur Lösung werden.► Schlussfolgerung: jedes Streichholz muss zwei Dreiecken dienen, auch die ‚Außenstreichhölzer’, dann löst sich der scheinbare Widerspruch vom Aufgabenstart ► Also die Aufgabe kann so präzisiert werden: wie kann ich vier Dreiecke so aneinanderlegen, dass es keins mit einer Außenseite gibt, die nur einem Dreieck zugehörig ist? ►Lösungsansatz/-idee: die ‚Außenseiten’ verbundener Dreiecke müssen sich auch verbinden können. Damit kann die Analyse der Aufgabe beendet werden.

⇒ Jetzt muss der Ansatz zur Lösung entwickelt werden.⇒.... Entsprechend verbinden lassen sich die Dreiecke nicht in einer Ebene. Die Ebene muss verlassen werden. ⇒ Eine dreiseitige Pyramide (Tetraeder) ergibt dann die Lösung. 

 

1.4 Also erst Analyse bevor Ideenfindung beginnt

Selbst das vorstehend einfache Beispiel zeigt, wie durch die Analyse der Situation der Aufgabe (Präzisierung) dem Problemkern näher gekommen wird und damit die Lö­sungswahrscheinlichkeit steigt – selbst ohne unnötiges praktischen Probieren. Auch daran kann klar werden, die Vorbereitung der Aufgabenlösung durch die Aufgaben­analyse (Aufgabenaufbereitung) dient dazu, den Kern der Aufgabe zu bestimmen. Es ist folglich keineswegs ‚ewiges Vorbereiten’, sondern eine nötige Etappe für eine Lö­sungsfindung, die dann nicht nur sicherer möglich wird, sondern auch insgesamt in kürzerer Zeit erfolgen kann. ► Es gilt folglich: je besser die (anscheinend ewige) Vorbereitung - sprich Aufgabenanalyse - ist , um so günstiger lässt sich die kreative Aufgabe lösen. Die These der Gesellschaft für Kreativität „Kreativität ist entwicklungs­fähig und kann durch Einsicht, Erleben und Übung gefördert werden“ [4] gilt auch unbeschränkt für die Anerkennung der Wertigkeit der Phase der Analyse der Aufgabenstellung und somit als Hoffnungssignal.

  2. Analysearten

Oben wurde viel zu Analysen der Aufgabenstellungen geschrieben. Kennen Sie , lieber mit Kreativitätstechniken sicher vorbelasteter Leser, einige solcher Methoden oder nutzen Sie sie bzw. sind Ihnen Quellen bekannt, wo sie beschrieben werden?

So häufig sind sie gar nicht als methodische Anleitung zu finden. Allerdings treten sie in praktischen Problemlösungsprozessen manchmal sogar mehrfach auf. Da der Autor bisher keine Zusammenstellung solcher Analysen gefunden hat – als Voraussetzung um sich einen Überblick für eine selektive Anwendung zu verschaffen – , hat er eine Übersicht über Analysearten mit Bezug zum Problemlösungsprozess selbst zusammengestellt. Diese Zusammenstellung mag unvollständig und kritikwürdig sein, aber den Zweck, die Vielfalt und die Unterschiedlichkeiten zu zeigen, kann sie erfüllen.

Die Tabelle 1 gibt diese Zusam­menstellung für die wichtigsten Analysemethoden kurz an. Sie bildet mit Blick auf die Vielfalt aus den häufigsten Analysearten sechs vorwiegend nach methodischen Aspekten gebildete Gruppen, ohne Vollständigkeit anzustreben:

Ganzheitsanalysen                                   Trendanalysen

Verflechtungsanalysen                              hierarchische Netze

Funktionswertflussanalysen                      statistische Analysen

Damit ist ein Rahmen gesetzt, was alles unter Analysen verstanden werden und bei der Aufgabenstellung zur Anwendung kommen kann. Natürlich ist das so noch nicht prakti­kabel. Dazu braucht es einer entsprechenden methodischen Stütze bzw. Qualifizierung.

 

Bevor noch etwas Unterstützung gegeben werden soll, ist vielleicht erstmal zu klären, wa­rum funktioniert überhaupt eine Analyse, wie wirkt sie. Das soll die Akzeptanz der Analyse­anwendung erhöhen. Zugleich hilft es bei Anwendung einer geeigneten Analyse einem dort ‚einsam’ agierenden Bearbeiter.

  

Gruppe von

Analysemethoden

Hauptanwendung

der informationellen Analyse

Ergebnis der Analyse

Typenvertreter,

 ähnliche Methoden

1

„Ganzheits“- analysen

(grobe, schnelle) Übersichtsanalysen;

Systemanalysen und solche für Komponenten .

erstes analytisches „Eindringen“ in die Problematik des Objektes; übersichtliche Darstellung komplexer Objekte nach vielen Aspekten möglich.

7-W-Fragen ,

A 2-Programm;

Black-box-Analyse;

SWOT-Analyse.

2

Tendenzanalysen, Grenzwert-forschung

Bestimmung künftiger Ziele, Vorgaben, Restriktionen, u./o. Forderungen mittels Befragungen, Recherchen; Extrapolationen, Regression.

Aussagen zu Entwicklungstrends und zu ihrer Begründung; Erkennen qualitativer Änderungen, „Zukunfts“-Aussagen auf Basis der Vergangenheit.

Prognoseverfahren; Bedarfsforschung, Schwellwertanalyse;

historische Analyse; ....

 

3

Hierarchische Netze

 

Systematisches hierarchisches Zerlegen komplexer Zielstellungen, Systeme oder Prozesse.

Darstellung des Zergliederten mit den dabei vorliegenden Zusammenhängen; Aufweitung des Gesichtsfeldes; ...

Begriffsnetz;

analytische Klassifikation;

Prognosegraph; Denkfeldnetz; Zielbaum.

4

Funktionswertfluß-analysen

Systematische, tief gegliederte Analyse der in der „Black-box“ (im Objekt; im System) verlaufenden Stoff-, Energie-, u./o. Informationsflüsse.

Übersichtliche Darstellung der so erkannten detaillierten Funktionsverläufe, Zusammenhänge, ... ;

mit rel. geringem Aufwand einfach verfeiner-, aggregier- u. veränderbar.

Funktionswertflussanalyse;

Schwachstellenanalyse;

Wirkpaarungsanalyse;

Vepol-Analyse.

5

Verflechtungs- bzw. Strukturanalysen

Systematische Erfassung komplexer Strukturen, Systeme, Einflussfaktoren, Ziele,... in konzentrierter Form (Graph, Ikone, Matrix);

Abfrage der Wechselwirkungen.

Ermittlung von Schwerpunkten (Stark- und Schwachstellen); Relationen; Kombinationen; Varianten; potentiellen “Leer“-Stellen.

Problemmatrix;

Programm A 131 der Systemati­schen Heuristik,

Feldforschung;

Morphologischer Kasten / Methode; Strukturvariation.

6

Statistische Analysen

Quantitative Bestimmung von Verläufen, der Korrelation; ..., ausgewählter Parameter, Forderungen, Restriktionen.

Verlaufsdarstellung, ...; Ermittlung von Abhängigkeiten, Einflussfaktoren, ... ; Qualitative Bestätigung von Aussagen.

Korrelationsverfahren;

Regressionsverfahren;

Zeitreihen; Kurse;

Entwicklungsverläufe.

            Tabelle 1: Übersicht über ausgewählte Analyseverfahren (nach [St 1, S. 92])

 

 

 3. Warum funktioniert eine Analyse?

Die Erfahrung zeigt, dass mit einer guten Analyse viel Informationen über die vorliegende Situation (also Aufgabe und ihr Objekt usw.) bereits am Anfang der Bearbeitung gewonnen werden können. Die Wirkung von Analysemethoden sollte damit am Erkenntnisfortschritt hinsichtlich des gedanklichen Eindringens in die Problem-(Aufgaben-, System-, Objekt-)-Situation beurteilt werden. Dieser Erkenntnisfortschritt wird vor allem durch gedankliches Zerlegen, Vergleichen und durch das beim systematischen Zerlegen zugleich Ordnende erreicht. Zum Erkenntnisfortschritt bei der Analyse können vor allem die zwei folgenden Wirkprinzipien beitragen.

  3.1 Zerlegungsprinzip

Gedankliches Zerlegen tritt auf als Zergliedern, Teilen, Hervorheben, unterschiedliche Be­züge herstellen, Auswählen, Schrittfolgebearbeitung u. ä. m. Eine geeignete Analyse ord­net zugleich die durch das Zerlegen entstandenen Teile und bereitet in dieser Hinsicht die Synthese (d.h. den Lösungsweg, die Lösung) vor.

Das „Zerlegungsprinzip“ einer Analyse strebt an, dass der Bearbeiter nicht mehr pauschal vorgeht, sondern seine gesamte Aufmerksamkeit nacheinander auf die jeweilige Kompo­nente oder den jeweiligen Aspekte des Ganzen konzentrieren kann (Lupeneffekt).  Die ge­samte gedankliche „Kraft“ wird auf das jeweilige Element gebündelt und kann sich dadurch intensiver mit dessen Rolle für die Aufgabenlösung auseinander setzen. Das erfolgt für alle Elemente in ihrem durch die Zergliederung entstandenen Zusammenhang.

Die Elemente können z. B. sein: Baugruppen, selbst Elemente davon, Teilfunktionen, Schritte, ... aber auch Aspekte (die Betrachtung des Ganzen nach unterschiedlichen Aspekten wie: zeitlicher, energetischer Aspekt, historischer oder räumlichem Aspekt, Aspekte bezüglich der Ästhetik, der Stoff- und Informationsflüsse, der Kosten, der Lebensdauer, der Umweltbelastung usw.)

Wird das Ganze jeweils von solch verschiedenen Seiten „durchleuchtet“ und das jeweils bewusst mit hoher Aufmerksamkeit, wird es durchsichtig, erkennbar. Jedes Element/jeder Aspekt ergibt eine Teilaussage, die so ohne diese Zergliederung nicht/kaum zu erzielen wäre. Alle diese Teilaussagen zusammen bedeuten ein tiefes Eindringen in das Ganze. Genau das ist das Ziel der Analyse, also dass damit das Ganze „durchsichtig, erkennbar“ wird.

Das geeignete Zergliedern, Zerlegen ist selbst ein schöpferischer Prozess. Es gibt sehr viele Möglichkeiten der Zerlegung sowohl nach Teilen als auch nach Aspekten. Ein interessante Aspektzerlegung ist die nach Farben. Aus dem anscheinend weißen Licht taucht eine Vielzahl von Farben auf. Heute wissen wir, dass die Einzelfarben vielmehr Informationen ermöglichen als ihre Bündelung zum weißen Licht allein.

Die Analysemethoden geben meist eine oder mehrere Zerlegungsvarianten vor. Die ge­eignete Zerlegung in die tatsächlichen Schwerpunkte gelingt nicht immer beim ersten Versuch. Das Zerlegen ist als heuristischer Vorgang zu verstehen, bei dem z.B. auch sinn­lich nicht wahrnehmbare Komponenten entstehen können (ein Bauelement kann in zwei theoretische Funktionen zerlegt werden). Es sollte hierarchisch zerlegt und grundsätzlich beim ganzheitlichen Ansatz begonnen werden.

Bei Aufgabenstellungen aus Wissenschaft, Technik und Wirtschaft sollte grundsätzlich von einer Zweistufigkeit der Analyse der Aufgabenstellung ausgegangen werden (erst die Gesamtaufgabe und danach die der entstandenen Teilaufgaben).

  3.2 Vergleichsprinzip

Das ‚Zerlegungsprinzip einer Analyse’ kann z. B. von deren Objekt, Struktur, Funktion, Wirkmechanismus.... die wichtigsten Zusammenhänge und Wechselwirkungen u. a. erkennen. Das ‚Vergleichsprinzip’ dagegen ergibt mit dem Einbringen der zu wählenden Vergleichs-Maßstäbe den Analysezweck, das geforderte Niveau der Lösung.

Mit dem Vergleichen werden z. B. notwendige Veränderungen des Analyseobjektes oder das Beibehalten eines Zustandes unter veränderten Bedingungen oder der Ursachen der Widersprüchlichkeit der Entwicklung oder deren notwendiger Veränderungen usw. erkenn­bar. Damit kann der notwendig zu leistende Anspruch an die Lösungsfindung fixiert werden, weil durch das ‚Zerlegen’ und damit mögliche Herausheben von “Teilen“ dieser Vergleich entscheidend vereinfacht und so oft erst durchführbar wurde.

Für das Vergleichen gibt es schon durch die je nach Aufgabe ganz unterschiedlichen Ziele und Aufgabensituationen, durch die unzähligen Möglichkeiten zum Zerlegen, sehr viele Va­rianten, allerdings ohne dass deren methodisches Vorgehen sehr unterschiedlich sein muss.

So kann nach dem jeweiligen Zweck als erstes der Vergleichswert bestimmt werden. Infrage kommen z. B.  

- ein Maßstab oder der Stand der Technik, der Konkurrenz, des Marktführers, ...,

- die Patentliteratur,

- der Vorgängertyp, die vorliegende Lösung oder andere Alternativen,

- neue Prinzipien,

- das „ideale Endresultat (IER)“ oder andere Grenz- oder Zielwerte,

- die Norm, der Soll- oder Standardfall oder auch

- der Kenntnisstand des Bearbeiters.

Letzteres z. B. vergleicht Be- und Unbekanntes (und bestimmt so zu lösende Wissens- und Verfahrensdefekte).

Je nach Maßstab werden daraus dann Erkenntnisse und Schlussfolgerungen abgeleitet.

Dabei gilt: mit Veränderung des Maßstabs (Niveaus) können auch die Erkenntnisse und Schlussfolgerungen in ihrem Niveau verändert werden. Je höher die Anforderungen an den Vergleichswert, um so mehr ist kreative Leistung nötig. Dabei gilt es zu beachten, wenn das geforderte Niveau zu niedrig bestimmt worden ist, wird es später kaum übertroffen werden. Zu hohe Anforderungen dagegen fördern das Aufgeben der Lösungsfindung. 

Also: Während das Zerlegungsprinzip durch Eindringen in das Ganze die tiefere Erkenntnis der Aufgabenstellung bewirken kann, macht das Vergleichsprinzip das angestrebte Niveau deutlich - damit auch den benötigten Aufwand. Aber – wie vorn benannt – bei Analysen „nicht schnell durch“, sondern „so gründlich wie nötig“. Die oft anzutreffende Unterschät­zung der Analyse der Aufgabenstellung muss überwunden werden, auch wenn sie manch­mal mit ihrer (natürlich nur relativen) Langwierigkeit (evtl. sogar Mehrstufigkeit) gerade für den Kreativen als lästig erscheint.

  3.3 Synthesekomponente

Auch wenn die nächsten Schritte noch in der Analysephase erfolgen, sind sie inhaltlich schon Teil der sich anschließenden Phase der Problemlösung, weil sie mit dem Syntheti­sieren in Richtung einer Lösung beginnen. Von der Vorgehensweise her und auch für die Gesamtaussage gehören sie zur Analysephase. Sie sind dort ganz wichtig und richtig eingeordnet, denn in der Analysephase gibt es noch viel mehr Beweglichkeit hinsichtlich der Aussagenfixierung. Praktisch beginnt dort die Synthese mit der Vernetzung und Bewertung der erkannten Teilaufgaben zu einem Operationsplan des Vorgehens in der Lösungsphase. Mit ihm kann diese Auftakt-Analyse erst einmal als abgeschlossen gelten.

  3.4 Analysestrategie

Eine Analyse kann einer Strategie folgen. Diese Strategie wird durch konkrete Analyse­methoden und / oder Darstellungsmittel untersetzt oder einfach vorgegeben. Die geeig­nete’ Strategie selbst wird beeinflusst von der Spezifik der jeweiligen Analyse, vom Analy­seobjekt und dem angestrebten Ziel, das sich letztlich als die Synthese ergibt. Ohne den Syntheseaspekt zu beachten, wäre Analyse Selbstzweck. Eine gute Analyse hat das dialek­tische Gegenstück, die Synthese, als ständigen Begleiter. Der Sinn der konkreten Analyse ergibt sich eigentlich nur aus der angestrebten Synthese. Folglich muss zielorientiert ana­lysieren werden. Damit kann dem Wort einer ‚vorurteilsfreien’ (d.h. nicht einer bestimmten Annahme folgenden) Analyse bei der Präzisierung von Aufgabenstellungen nicht entspro­chen werden, aber selbstverständlich möglichst objektiv – mindestens ohne subjektivis­tische Einflüsse.

Es ist allerdings schwer, eher sogar unwahrscheinlich, die optimale Analysestrategie schon zu Arbeitsbeginn zu finden, so gut das auch wäre. Das erklärt sich u. a. daraus, dass bei kreativen Prozessen die Synthese, also die Lösung, erst nach dem Lösungsprozess bekannt wird. Deshalb wird für die Analyse kein ‚Rezept’ vorgegeben werden können. Eine Vielfalt an Analysemethoden und Darstellungsmitteln dient als Alternative.

Ein echtes Hilfsmittel für die Strategiefindung ist es, im Fortgang der Analyse aus dem ‚Ganzen’ eine (oder einige) Komponente auszuwählen, die für das Ganze zentrale Bedeu­tung haben kann/soll. Besonders diese ist/sind der vorn genannte Zweistufigkeit der Auf­taktanalysen zu unterwerfen.

Ob eine stets vorhandene Analysestrategie optimal war, zeigt sich leider letztlich erst mit der Synthese, also dem Ergebnis. Das Ergebnis frühzeitig gedanklich vorwegzunehmen, fördert das Finden einer optimalen Strategie. Andererseits lohnt es aus Erfahrung nicht, zuviel Zeit in das Finden der optimalen Strategie selbst zu investieren. Die qualifizierten Analyseprogramme, auch so einfache wie die 7-W-Fragen, die Funktionswertflussanalyse, die Blackbox-Analyse, ... folgen einer allgemeinen Strategie, der man erst einmal vertrau­en kann und sollte.

   4. Problemsensibilität

In der Regel beginnt mit der Problemermittlungs- und/oder Problemaufbereitungsphase ein ernsthafter gedanklicher Arbeitsprozess nicht einfacher Art ► Ein Forschungs- oder Entwicklungsthema z. B., aber auch eine (nur vom Aufwand weniger umfassende) Aufga­benstellung z. B. bei „Jugend forscht“ oder ähnlichen Ausschreibungen, Wettbewerben, Ausarbeitungen oder eine Erfindungsaufgabe. Weniger Aufwand oder Volumen heißt nicht weniger Anspruch!

4.1 Der ‚Weg’ zur kreativen Idee scheint den Wert der  Analysephase zu dominieren

In der Literatur lassen sich zwei unterschiedliche Vorgehensweisen erkennen. Ein Kennzeichen für sie ist, welche Bedeutung der Aufgabenstellung und ihrer Analyse zu geordnet wird. Das soll hier näher betrachten werden, wie es im Abschnitt 1 („gesonderte Aussage“) angekündigt wurde. Es hat damit zu tun, wie eingeschätzt wird, wie es zur kreativen Idee kommt/kommen soll/kann. Vereinfacht sind es diese zwei Richtungen/Wege

•         zu einem wird das intuitive Element bevorzug, also die Lösungsidee als generiert durch meist spontan ausgelöste Intuition betrachtet (z.B. infolge von Geistesblitz, Gesichts­felderweiterung, Zufall, Fantasie, Aufmerksamkeit , göttlichen’ Funken,... ). Die Lösungsidee stellt sich dann als eine gewisse Auswahl aus einer Vielzahl von bis dahin erzeugter Varianten dar.

oder

•       zum anderen wird ein deutlich systematischerer Weg, der durch zielstrebige, systema­tische und komplexe Analysearbeit schrittweise den Lösungsprozess vorbereitet, so dass nicht erst eine Vielzahl unnötiger Lösungsansätze entsteht [Pro 3], beschritten.·In der Literatur und Praxis der dazu geläufigsten Richtungsvariante (ARIS, TRIZ) wird dazu von einem ‚idealen Endresultat (IER)’ ausgegangen. Das gewährleistet, sich am richtigen Ziel zu orientieren, sich so nicht ‚zu verlaufen’ und keine unnötigen Varianten erst zuzulassen, weil so auch von diesem Ziel aus rückwärts bei der Präzisierung der Aufgabe geschlossen werden kann.

In der Regel werden auf diesem Weg auch die ‚Widersprüche’ als Ansatz für besonders erfolgreiche Lösungen (paradoxe Forderungen der Widerspruchsformulierung) gefun­den, die durch Optimierung nicht lösbare sind („es muss etwas da und dennoch nicht da sein, heiß und zugleich kalt...“[Pro 3]). Es soll aber nicht „lauwarm“ rauskommen. Schon die Widerspruchsformulierung in der Analyse der Aufgabenstellung ist eine unge­mein anregende Unterstützung zum Finden der kreativen Lösung, die durch weitere vorhandene methodische Hilfen untersetzt werden kann.

Klar, dass bei ersterer Richtung eine komplexe Analyse der Aufgabenstellung viel eher als hinderlich für die spontane Intuition angesehen und folglich möglichst schnell mit Ideen­finden begonnen wird. Daher fehlt in diesen Quellen oft ein gesondertes, aber eigentlich nötiges Kapitel ‚Analyseverfahren/-methoden von Aufgabenstellungen’. Für Alltagkreati­vität ist es vielleicht ausreichend. Für die deutlich anspruchsvolleren Arbeitsprozesse in Wissenschaft, Technik und Wirtschaft mit problemlösenden Kreativität ist diese Richtung untauglich. Dort geht es um - im Sinne wirtschaftlicher Verwertung - ‚ernsthafte’, oft außergewöhnliche Kreativität, die für Erfindungs- und andere qualitätsgleiche Lösungen benötig wird. Dafür ist schon eine gründlichere Vorbereitung nötig, bevor es zu einer tragfähigen Lösungsidee kommt.

Einen interessanten Gedanke zu dieser Problematik äußert Brodbeck [Br 1, S. 25 f.], wie es zum Bewusstwerden/Erkennen der kreativen Ideen kommen kann, die in vor- und unbewussten Prozessen vorbereitet werden mögen. „Um als neue Idee im Geist aufzutauchen, muss dafür ein Raum eingeräumt sein. ... Es ist eine empfangende Leere, in die neue Ideen eintreten können.“ Das muss vorbereitet sein, gründlich, möglichst syste­matisch. Dabei können die empfohlenen Kreativitätstechniken helfen, stützen, aber ... „Es gibt keine Technik zur Erzeugung oder Erklärung neuer Ideen.“ [Br1, S.25]. 

    4.2 Aufgabenstellungen müssen schriftlich fixiert werden

Eine Analyse sollte dem jeweiligen Problembearbeitungsprozess angemessen sein. So ist es falsch, wenn selbst für einfache Problemermittlungs- und/oder Problemaufbereitungs­phasen eine klare schriftliche Aufgabenstellung fehlt. Das geht schon aus traditioneller Höflichkeit nicht, inhaltlich schon gar nicht.

Diese Aufgabenstellung ist meist das einzige, woran der Bearbeiter sich halten kann. Auch wenn er sie sich in einem ‚Eigenprozesses’ (z. B. als unabhängiger Erfinder) selbst stellt. Dabei erkennt er wenigsten, wie sich Aufgabenstellung (und er) mit dem Bearbeitungsfort­schritt verändern. Aufgabenstellungen müssen fixiert vorliegen, auch für einfache, erst recht für komplexe Problemstellungen.

Dann sind für diese Aufgabenstellungen angemessene Analysemethoden zu finden und zu nutzen. Das können durchaus einfache Analysenmethoden sein für einfachere Aufgaben­stellungen, für andere komplizierte, eventuell mehrstufige. Welche dieser Auftakt-Analysen /-Methoden ausgewählt wird, muss der Nutzer aus seiner Problemsensibilität heraus entscheiden.

Als Auftaktanalysen sind einfach die Analysen benannt und eingeordnet worden, die sich am Start einer Problembearbeitung nützlich und häufig anwenden lassen.

   5. Wahl einer geeigneten Auftakt-Analyse

Wie kann der Bearbeiter, das Bearbeiterteam sich eine solche Auftaktanalyse wählen? Verallgemeinert gibt es kaum verwertbare Empfehlungen. Ausweg ist, sich eine der ver­muteten Kompliziertheit und Komplexität der Situation entsprechend Analyse zu wählen (nach der einzuschätzenden Problemträchtigkeit) und nötigenfalls während der Analyse entsprechend zu korrigieren.

Aber wie kann dann korrigiert werden? Die Systematik in der Darstellung der folgenden Sammlung von Analysemethoden gibt dazu eine kleine Hilfestellung, indem z. B. eine mehr oder weniger komplexe/komplizierte Analysemethoden gewählt werden kann. Dazu sind die Analysemethoden in Bild 1 nach steigender Kompliziertheit und Komplexität geordnet. Bild 1 ist eine Übersicht von „Auftakt“-Analysen in Form einer „Stabskarte“.

 

 

 

    5.1 Stabskarte Analysemethoden

In ihr werden Analysemethoden nach sowohl vermuteter Kompliziertheit wie vermu­teter Komplexität geordnet. Die linken Felder erfassen einfache Situationen von Aufga­benstellungen. Sie werden mehr oder weniger spontan

♦        mittels Identifikation z. B. als gelernte Stereotype [z. B. Vorbereitung eines Kunden­besuches, zur Lösung einer Differentialgleichung, eine Durchlaufplanung] oder

♦         durch Mustervergleich erkannt.

Bei letzterem erkennt man durch Vergleich nach Erfahrung oder Vorlagen, um wel­chen Typ von Aufgabenstellung es sich handelt und reagiert in gewohnter Weise z. B. Drehmomentberechnung oder eine Gleichung mit zwei Unbekannten und Lösung über die quadratische Gleichung.

Wichtiger für die Kreativität sind die Felder der systematischen Problemerkenntnis, der ‚Rest’ des Bildes. Für diese werden die Analyseprogramme z. B. in [St 1] vorgestellt.

   5.2 Konzentration auf Auftakt-Analysen

Von der Vielfalt der in Tabelle 1 dargestellten Analysemethoden wurden für die Stabskarte als Schwerpunkt die so benannten „Auftakt-Analysen“ gewählt. Auftakt-Analysen sind überwiegend in der Gruppe der Ganzheitsanalysen vertreten. Verständlich, soll doch bei Arbeitsbeginn das Objekt „Aufgabenstellung“ umfassend analysiert werden. Es ist von des­sen Gesamtheit auszugehen. Zu bestimmen ist das Entscheidende für die Bearbeitung. Nach oder während der Analyse kann festgestellt werden, ob tatsächlich eine problem­trächtige Aufgabenstellung vorliegt und wie sie gegebenenfalls neu zu formulieren ist.

Auftaktanalysen (z.B. die Black-Box-Analyse, die Funktionsflussanalyse, auch die 7-W-Fragen) gehen vom Ziel aus, betrachten dessen Einordnung in das übergeordnete System, die Wechselwirkung zielerfüllendes Objekt-/Systemrand und Umgebung, gehen in das Objekt/System hinein, bestimmen die Funktion und die geforderten Bedingungen und beachten die Wechselwirkung mit Folge- und vorgängigen Prozessen u. a. m.

Eine Auftaktanalyse muss beim Start erst das Gesamte erfasst und die generelle Richtung vorläufig bestimmen, damit die Lösung nicht neben das eigentliche Ziel gerät. Danach kann auch eine Auswahl eines Teils, eines Ausschnitt betrachten werden, was in späteren Abschnitten der Problembearbeitung sinnvoll ist.

 6. Praxisempfehlungen für Auftaktanalysen (nach [St 1, S 74/75])

1. Für die Aufbereitungsphase von Aufgabenstellungen – also deren Analyse - gilt als gesicherte Erfahrung, dass sie oft unterschätzt wird. Der Bearbeiter versucht meist (zu) schnell Ergebnisse vorzuweisen. Unterschätzung und geringe Gründlichkeit rächen sich mit geringeren Ergebnissen, erneutem Beginn, Korrekturen und Doppelarbeit. (simples Beispiel dazu: Schule: Erst den Aufsatz schreiben, dann die Gliederung dazu machen - statt umgekehrt! - Eigentlich soll die Gliederung die Richtschnur sein!)

 

2. Aufgabenstellungen für kreative Lösungen bedürfen in jedem Fall des konstruktiv-kritischen Durchdenkens. Wer dieser Verantwortung gerecht werden will, der kann eine gestellte Aufgabe selten als ‚absolut’ und unveränderlich hinnehmen ► Hinterfra­gen, präzisieren, ‚Dumme Fragen’ zu lassen, .... Die ursprüngliche Aufgabe ist trotz wohlüberlegter Ableitung aus einer bekannten Problemsituation und trotz fundierter Entscheidung oft mit einer Reihe von Mängeln behaftet, unvollständig, vage oder überschwänglich formuliert. Nicht selten enthält sie unberechtigte Einschränkungen oder ist in der gestellten Form nicht lösbar.

 

3. Es kommt nicht darauf an, zu einer Aufgabenstellung irgendeine Aufgabenvariante sofort und ohne ‚Zeitverlust’ anzugehen, sondern es kommt darauf an, die zweck­mäßigste, die lösungsträchtigste, die ökonomischste Aufgabenvariante zu finden. Der Aufwand zur systematischen Aufbereitung einer Aufgabenstellung ist eine nötige Aus­gabe.

 

4. Für eine effektive Analysearbeit gehe gegebenenfalls hierarchisch vor. Beginne mit einer einfachen Grobanalyse und verfeinere schrittweise in Abhängigkeit von der Problemer-kenntnis und dem Bearbeitungsfortschritt.

 

5. Auch mit einer gründlichen Präzisierung kann nicht alles vorhergesehen werden, wenn auch erfahrungsgemäß ein wesentlicher Effekt der Präzisierung gerade in dem frühzeitigen Erkennen relevanter Problem- und Schwachstellen liegt. Führe trotzdem die Präzisierung der Aufgabenstellung möglichst gründlich durch. Die Erfahrung lehrt, meist wird zu wenig Aufwand für die Analyse der Aufgabenstellung eingeplant.

 

6. Präzisiere die Aufgabenstellung in einem interdisziplinären Team, dem auch Fachleute angrenzender Wissensgebiete, Auftraggeber und Anwender des zu erbringenden Ergebnisses und andere angehören. Auch der konträre, aber konstruk­tive Dialog ist förderlich! Beachte, wenn Neues zu schaffen ist, muss vom Gewohnten abgewichen werden!

 

7. Nutze vorhandene Analysemethoden. Überlege gründlich, ob wirklich eine neue Analysemethode nötig ist und warum keine der Vorhandenen genutzt werden soll. Betrachte die vorgegebene Analysemethoden nur als Empfehlung und wende sie dynamisch an (z. B. Verhältnis von Tiefe und Fortschreiten bei den jeweiligen Schritten, beim vorläufigen Überspringen einzelner Schritte und gegebenenfalls späteren Zurückkehren u. a. m.).

     7. Fazit

Es lassen sich genügend Methoden, Empfehlungen und Hinweise zur Analyse von Aufga­benstellungen finden. Es gibt keinen ernsthaften Grund, auch bei einfachen Aufgabenstel­lungen auf deren Analyse zu verzichten.

Literatur zu Ideenfindung sollte grundsätzlich dieser wichtigen Phase, die die Kreativität auf das Entscheidende lenkt, einen nötigen Platz einräumen. Selbst wenn sie sich auf den intuitiven Weg konzentrieren will, z. B. für einfache Lösungen mit Alltagskreativität. Da diese i. d. R. eine einfacher zugängliche Form der Kreativitätsnutzung ist, hat sie auch eine gewisse Wegbereiterrolle. Hinzu kommt ein genereller Lerneffekt, der erreichen muss, immer der Aufgabenstellung eine angemessene Bedeutung zuzumessen. 

Das gilt im hohem Maße für problemlösende Kreativität, bei der für Aufgabenstellungen aus Wissenschaft, Technik und Wirtschaft eine umfassende Analysephasen unumgänglich erscheint. 

     Quellenhinweise:

[He 1] Heister, M. W. M.: Bildung, Erfindung, Innovation. Bd. 2, Bonn: Induso GmbH-Verlag 2013

[D 4] Duncker, Karl: Psychologie des Denkens. Berlin: 1935,neuaufgelegt Springer 1963

[St 1] Stanke, Klaus: Handlungsorientierte Kreativitätstechniken.Für Junge, Einsteiger und Profis mit BONSAI-System der Kreativitätstechniken Berlin: trafo-Verlagsgruppe 2011

[Ge 1] Gesellschaft für Kreativität e.V .: 12 Thesen der Gesellschaft für Kreativität in:   www.kreativ-sein.org 2014

[Pro 3] Zobel, Dietmar: Problemlösende Kreativität mit System. In: www.problemlösen­dekreativität.de 2014

[Br 1] Brodbeck, Karl-Heinz: Zur Philosophie der Kreativität. Historische und interdisziplinäre Aspekte. Würzburg: Reihe „Residenzvorlesungen“ Hrsg. V. J Schink und R Ziegler 2012

 

Vorstehender Beitrag beruht auf meinem Artikel im ‚Jahrbuch der Kreativität 2014’ [www.jahrbuch-kreativität.de]. Mit dankenswerter Unterstützung durch Herrn Doz. Dr. Dietmar Zobel entstand vorliegende überarbeite Fassung.

 

 

Dr. Klaus Stanke  Januar 2015 v3.17

 


 

4. Rezension                                                                                06.11./14.12.201

Kahneman, D.:

Schnelles Denken, langsames Denken.

15. Auflage. München: Siedler-Verlag 2012 621 S. ISBN 978-3-88680- 886-1

 

Das Bild - wieder von KPH - zeigt zwei Systeme und eine Blüte -

etwas verschwommen wegen der Vergrößerung.Es könnte aber auchstatt der Vergrößerung auch  wegen der 'zwei Systeme' (schnelles und langsames Denken) sein! 

Nein, der Nobelpreisträger beschreibt alles

sehr klar und einleuchtend!

 

Das Buch liest sich gut, weil viele Beispiele angeführt werden und mehr erzählt wird, als trockene Kognitionspsychologie zu lehren, zu der es inhaltlich gehört.

Es ist für den Rezensenten eine hervorragende Infoquelle zum Verständnis wichtiger Arbeitsweisen des Gehirns. Das betrifft vor allen tätigkeitsbedingt den Teil 1, der das interessante Modell der Systeme 1 und 2 der Arbeitsweise des Gehirns darstellt. Auf diesen Teil1 (und 2) konzentriert sich die Rezension, die möglichst viel zitiert als Kommentar zum Buch. Das Buch gliedert sich in die Teile 1 - 5.


         Teil 1.   Zwei Systeme

System 1 (das schnelle Denken) hat die angeborenen Fähigkeit – wie auch bei Tieren – unsere Umwelt wahrzunehmen, auf Gefahren schnell zu reagieren, Verluste zu vermeiden, ... unsere Aufmerksamkeit durch Aktivierung von System 2 (das langsame Denken) zu wecken -  und durch langes Üben automa­tisierte Routinen auszu­bilden. Es kann Assoziationen zwischen Vorstellungen bilden, kann lesen und Nuancen sozialer Situationen verstehen. Das Wissen ist im Gedächtnis gespeichert und wird ohne Intension und ohne Anstrengung abgerufen. Das System 1 arbeitet automatisch ohne uns bewusst zu sein.

 „Das unwillkürliche System 1... erzeugt erstaunlich komplexe Muster von Vorstellungen, aber nur das langsamere System 2 kann in einer geordneten Folge von Schritten Gedanken konstruieren.“ [S. 33]

System 1 arbeitet automatisch und schnell, weitgehend mühelos und ohne willentliche Anstrengung.“... [z.B. beim Erkennen eines zornigen oder gefährlichen Menschen].

„System 2 lenkt die Aufmerksamkeit auf die anstrengenden mentalen Aktivitäten, ... darunter auch komplexe Berechnungen.

Die Operationen von System 2 gehen oftmals mit dem subjektiven Erleben von Handlungsmacht, Entscheidungsfreiheit und Konzentration einher. ...

Wenn wir an uns selbst denken, identifizieren wir uns mit System 2., dem bewussten, logisch denken­den Selbst, das Überzeugungen hat, Entscheidungen trifft und sein Denken und Handeln bewusst kontrol­liert“ [S. 33]

System 2 kann die Kontrolle übernehmen, indem es ungezügelte Impuls und Assoziationen von System 1 verwirft. System 2 erfordert Aufmerksamkeit für seine Aktivität. Ist die gestört oder ist es überlastet, entstehen Fehler (Es gibt ein Aufmerksamkeitsbudget! „Die intensive Konzentration auf eine Aufgabe kann Menschen blind für Stimuli machen, die norma-lerweise die Aufmerksamkeit erregen“ [S.36]). System 2 kann die Aufmerksam­keit focusieren (z. B. Warten auf eine Person mit blauen Mantel am Bahnhof).

System 1 und 2 sind immer aktiv; System 2 normalerweise im Modus geringer Anstrengung mit nur einer Teilkapazität. System 1 liefert Vorschläge für System 2, Eindrücke, Intensionen, Ab­sich­ten und Gefühle. Unterstützt System 2 diese Eindrücke und Intensionen werden sie zu Überzeu­gungen und willentlich gesteuerten Handlungen. System 2 kann logisch denken und so Vorschläge von System 1 überprüfen, was es aber nicht immer tut [„ist faul“ s .S. 61 f.], sondern der intuitiven* Aussage von System 1 „vertraut“.

Normal akzeptiert System 2 alle Vorschläge von System 1. Gerät System 1 in Schwierigkeiten, for­dert es von System 2 eine genauere Verarbeitung an, die das Problem möglicherweise lösen kön­ne. System 2 wird auch mobilisiert, wenn es gegen das Weltmodell von System 1 verstößt [38] z. B., wenn es „hüpfende Lampen“ sieht! Überraschung aktiviert Aufmerksamkeit und damit System 2. Dieses ist auch für die ständige Überwachung des Verhaltens zuständig, also dass man höflich bleibt, auch wenn man Wut hat.

 „...der größte Teil dessen , was Sie (Ihr System 2) denken und tun, geht aus System 1 hervor, aber System 2 übernimmt, sobald es schwierig wird, und es hat normalerweise das letzte Wort.

        Die Arbeitsteilung zwischen System 1 und System 2 ist höchst effizient: Sie minimiert den Aufwand und optimiert die Leistung. Diese Reglung funktioniert meistens gut, weil System 1 im Allgemeinen höchst zuver­lässig arbeitet: seine Modelle vertrauter Situationen sind richtig, seine kurzfristigen Vorhersagen sind in der Regel ebenfalls zutreffend, und seine anfänglichen Reaktionen auf Herausforderungen sind prompt und im Allgemeinen angemessen. Die Leistungsfähigkeit von System 1 wird jedoch durch kognitive Verzerrungen beeinträchtigt, systematische Fehler, für die es unter spezifischen Umständen in hohem Maße anfällig ist“ [38]. So unterliegt es Täuschungen, Illusionen, dem Einfluss von Priming, der Wiederholung u. a.

System 1 verfügt über die nicht willentlich herbei geführte Assoziationsmaschine, die die zu einem Kontext bei uns im Gedächtnis vorhandene Vorstellungen aufruft, von denen uns dabei nur ein Bruchteil bewusst wird, aber zu dem Kontext potentielle Antworten bereitstellen kann.

Nur System 2 ist uns willentlich zugänglich. System 1 arbeitet automatisch, kann nicht abgeschaltet werden und ist unwahrscheinlich schnell. Z. B. : sie öffnen die Augen und das 2-D-Bild Ihres Augen­hintergrundes wird vom System 1 sofort in ein 3-D-Bild des betrach­teten Raumes umge­wan­delt, wo jedes Objekt seinen Platz mit allen Raumbezie­hungen hat (vor-, über-, neben-, nachein­an­der, ...), jedes zugleich als bekanntes/unbekanntes Objekt konkret identifiziert wird und noch eine Einschätzung der Raumsituation (normal, verschmutzt) mit Handlungs­empfehlung (alles ok) gege­ben wird. Das ist „das, was wir normalerweise Sehen und intuitives Denken nennen.“[S.31].

Interessant für die Anwendung der Kreativitätstechniken ist die Aussage S. 50 ausgehend von dem allgemeingültigen Gesetz des geringsten Aufwandes für kognitive wie auch für physische Anstren­gungen: „Je mehr Geschick man bei der Lösung einer Aufgabe entwickelt, umso weniger Energie muss man für sie aufwenden. ... dass sich das mit einer Handlung verbundene Aufmerksamkeitsmuster mit der Fertigkeit verändert, ... Begabung hat ähnliche Wirkungen. Hochintelligente Menschen lösen die gleichen Probleme müheloser ...[S. 50]. Das spricht für die konsequente Nutzung von Kreativitätstechniken, die ein „optimiertes Geschick“ für Lösung der jeweiligen Aufgabe anbieten!

Auch der Abschnitt „5. Kognitive Leichtigkeit“ [80] verweist auf eine situationsbezogen zu schaffende Arbeitsatmosphäre, denn hohe Leichtigkeit vermittelt: Es läuft alles gut! Sie sind gut gelaunt, glau­ben was sie lesen und sehen, vertrauen ihren Intuitionen und haben ein Gefühl, dass Ihnen die ge­gen­wärtige Situation angenehm ist. Ihr Denken ist relativ beiläufig und oberflächlich. Niedrige Leichtigkeit dagegen macht sie angespannt. Sie sind eher wachsam, argwöhnisch, strengen sich mehr an und fühlen sich unbehaglicher. Sie machen so weniger Fehler, sind aber „ ...auch weniger intuitiv und kreativ als sonst.“ [S. 82]

 

Wenn eine Botschaft der Empfänger also glauben soll, ist es hilfreich, alles zu tun, um die kognitive Beanspruchung des Empfängers zu verringern [S. 85] (Lesbarkeit, einfache Formulierung, hoch­wertiges Papier, Farben mit Kontrast – rot und blau, keine komplizierte Namen, u. ä. m.). „Andererseits mobilisiert eine hohe kognitive Beanspruchung ... System 2, mit der Folge, dass von einem, intuitiven Modus der Problemlösung auf einen konzentrierten, analytischen Modus umgestellt wird.“ [S. 88]. S.93 nennt aber auch: „Eine fröhliche Stimmung lockert die Kontrolle von System 2 über die Leistung: Wenn wir gut gelaunt sind, werden wir intuitiver und kreativer, aber auch weniger aufmerksam und anfälliger für logische Fehler.“

Im Abschnitt 6 wird als hauptsächliche Funktion von System 1 benannt, ein Modell unserer persön­lichen Welt, was normal sei, aufrechtzuerhalten und zu aktualisieren. Das Modell baut auf Asso­ziationen auf, die Vorstellungen mit Ereignissen, Handlungen usw. verknüpfen und bildet ein Netz­werk assoziierter Vorstellungen, die erlauben, unsere Gegenwarts- und Zukunftserwartungen interpre­tieren zu lassen. 

So kann System 1 auch voreilige Schlussfolgerungen ziehen. „Sie sind dann effizient, wenn sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zutreffen“ [S. 105], die Kosten eines Fehlers niedrig sind und wenn sie viel Mühe und Zeit sparen. Riskant sind sie, „wenn die Situation unbekannt ist, viel auf dem Spiel steht und ... keine Zeit...“ [S. 105] verfügbar ist, weiter Informationen einzuholen. Das ist genau die Situation für die ‚Präzisierung von Aufgabenstellungen (AST) der Forschung und Entwicklung’, also der der pro­blem­lösen­den Kreativität. Dort darf zur Aufgaben- und Zielbestimmung nicht mit Aufwand und Zeit gegeizt werden, um Ambiguität und Zweifel zu beseitigen, Das muss System 2 übernehmen. Aber: „Wenn System 2 anderweitig beschäftigt ist, glauben wir fast alles. System 1 ist leichtgläubig und neigt dazu, Aussagen für wahr zu halten. System 2 ist dafür zuständig, Aussagen anzuzweifeln und nicht zu glauben, aber System 2 ist manchmal beschäftigt und oft faul.“[S. 107] ► das verweist wieder auf die Bedeutung der gründlichen Präzisierung von AST.

Im Buch werden der „Halo-Effekt“ und der „erste Eindruck“ mit Bezug zur Einschätzung von Men­schen durch das System 1 benannt und auf voreilige Schlussfol­ge­rungen durch die Beschränktheit der vorliegenden Informationen des System 1 hingewiesen: denn für System 1 gilt „Nur was man gerade weiß, zählt“ – engl. WYSIATI  [S.113]. Zu fehlenden relevanten Informationen muss System 2 tätig werden.

Grundlegend für das Überleben ist die Fähigkeit des System 1, ständig die Situation zu bewerten (Gefahr, keine Gefahr, ...). Dabei hat das System 1 auch die Fähigkeit herausgebildet, Intensitäten verschiedener Qualitäten zu vergleichen {was logisch nicht möglich erscheint, eine Quantität einer Qualität in einer Quantität einer anderen Qualität wieder zuspiegeln – „Wenn Sam so groß wäre, wie er intelligent ist, wie groß wäre er dann? [S.117]}. Diese Intensitätsabstimmung, die „mentale Schrotflinte“ u. a. können wie die 3-D-Heuristik Verzerrungen sein, die System 1 liefert, und von einem nicht all zu wachsamen System 2 oft akzeptiert werden.

Seite 136 benennt abschließend kurz die Merkmale von System 1.

 

        Teil 2: Heuristiken und kognitive Verzerrungen

Hier wird unter Heuristik verstanden: „ein einfaches Verfahren, das hilft adäquate, wenn auch oft unvoll­kommene Antworten auf schwierige Fragen zu finden“ [127] ... „ Die Zielfrage liefert die Beurteilung, nach der man strebt. Die heuristische Frage ist die einfachere Frage, die man stattdessen beantwortet.“ [127]. K. versteht darunter besonders die „Ersetzung“ und andere Heuristiken für System 1 – nicht die, die bei der problemlösenden Kreativität/ Systematischen Heuristik (beide zu System 2 zugehörig) gängig sind, wie S.128 bestätigt: „Polyas Heuristiken sind strategische Verfahren, die gezielt vom System 2 umgesetzt werden. Die Heuristiken, die ich in diesem Kapitel diskutiere, werden nicht bewusst ausgewählt ...“ - gehören also zu System 1.

Benannt werden dazu solche wie Schrotflinte, 3-D-Heuristik, Affektheuristik, Halo-Effekt und typische Verzerrungen wie Anker, Verfügbarkeit, auch Priming.

System 1 produziert voreilige Schlussfolgerungen, z.B. wenn es dem „Gesetz kleiner Zahlen“ glaubt [S. 146]. Der Stichproben­umfang ist nicht intuitiv festzustellen, sondern zu berechnen (mit System 2), um für Aussage eine hinreichend sichere Quelle zu haben.

Zufall hat keine Ursache! [S.147]. Es lohnt nicht, dafür nach Mustern zu suchen, auch wenn scheinbare Häufungen auftreten, aber die Ereignisse unabhängig sind.

Die Ankerheuristik wirkt nach, wenn vorher eine Größe, Rich­tung, Tendenz dominierte. Suggestion ist ein Priming-Effekt, der selektiv kompatible Informationen ins Gedächtnis ruft [S. 156].

Die Verfügbarkeit überzeichnet das grade vom Gedächtnis aufgerufene, Verfügbarkeitskaskaden {eine sich selbst tragende Kette von Ereignissen [S.179] entsteht, wenn die Umgebung verstärkend wirkt (Pressekampagne)}.

Weniger ist mehr“ [S.204] ist ein nicht so seltener Konjunkturfehlschluss, der gegen die Regeln der Logik verstößt – wenn System 2 nicht besonders wachsam ist. Die „Regression zum Mittelwert“ wird durch eine starke Neigung des Systems 1 zu kausalen Erklärungen statt der zu treffendem statischen Aussage verdeckt.

Der Kapitel 1 abschließende Abschnitt „18. Vorhersagen bändigen“ [S. 231] schließt mit der Aussage: “Seien Sie gewarnt, Ihre Intuition liefert Vorhersagen [die System 1 aus den verfügbaren Informationen konstruiert], die zu extrem sind, und Sie werden dazu neigen, ihnen allzu großen Glauben zuschenken“ [S. 242].

        Teil 3: Selbstüberschätzung

 Beschreibt unser übermäßiges Vertrauen in das, was wir zu wissen glauben und unsere scheinbare Unfähigkeit, das Ausmaß unseres Unwissens zuzugeben.

 

Z. B.: [S. 248]: Der Halo-Effekt verstärkt oft unberechtigt Negatives bzw. Positives. Habe ich jemanden beim „Start“ positiv einschätzt, ist „alles“ bei ihm positiv! Oder: jedes Ereignis wird beachtet und gewertet, jedes „Nichtereignis“ nicht! Oder: Experten sind auch nur durchschnittlich mit ihrer Aussagequalität. Vorhersagefehler sind unvermeidlich, weil die Welt unvorhersagbar ist, und die Grenze zwischen der vorhersagbaren Zukunft und der unvorhersagbaren nicht bekannt ist.

Eine Def. für Intuition wird zitiert [292]: "Intuition ist nicht mehr und nicht weniger als Wiedererkennen." Die Situation liefere einen Hinweisreiz, dieser gebe dem Experten Zugang zu im Gehirn gespeicherten Informationen und diese Info geben ihm die Antwort.

 

          Teil 4: Entscheidungen

Entscheidungsfindungen in den Wirtschaftswissenschaften und deren rationales Handeln werden diskutiert. Dabei wird dargestellt: Verluste(-potentiale) werden mental von System 1 höher bewertet als Gewinne(-potentiale).

         Teil 5: Zwei Selbst

Das erlebende Selbst und das sich erinnernde Selbst werden unterschieden und die Regeln des Bildens von Erinnerungen (durch System 1) betrachtet. Das Gedächtnis gehört zu System 1. Aber das erinnernde Selbst ist „eine Konstruktion von System 2“. So sind Unterschiede zu erwarten. S. 470: „Die Verwechslung der Erinnerung mit der tatsächlichen Erfahrung ist eine zwingende kognitive Illusion, - … Das erlebende Selbst hat keine Stimme. Das erinnernde Selbst irrt sich manchmal, aber ist dasjenige was Buch führt und bestimmt, was wir aus dem Leben lernen, und … das Entscheidungen trifft.“ Von einer Episode sind für die Erinnerung der Gipfelwert und die Gefühle am Ende bedeutsam, kaum die Dauer.

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Beim Einsatz von Kreativitätstechniken in Aufgaben von Wissenschaft, Technik und Wirtschaft sind sowohl System 1 als auch System 2 ständig tätig. Die Kreativitätstechniken mit ihrer Handlungsori­en­tierung erfordern den konzentrierten Einsatz von System 2. Die intuitiven Elemente werden dabei meist bewusst angefordert und vom System 1 bereitgestellt. Dabei kann trotz der Vorgabe/Anforde­rung nur ein Bruchteil dieser intuitiven Vorgänge bewusst nachvollzogen werden. Die intuitiven Heuristiken des System 1 unterliegen - wie auch der Teil 2 des Buches beschreibt – kognitiven Verzerrungen. Nur einen Teil kann ein wachsames, munteres System 2 korrigieren, so auch die kognitiven Voraussagen u. a.

Für die unterschiedlichen Kreativitätsformen der Alltags- und der außergewöhnlichen Kreativität kann vermutet werden, dass für erstere das System 1 überwiegend die Impulse und Lösungen anbietet und System 2 fast nur noch den relativ kurzen Verlauf bestätigend abschließt. Bei der außergewöhnlichen Kreativität wird System 2 sehr konzentriert tätig sein müssen, um die keines­wegs kurze Prozessführung zu gewährleisten und sich genügend Vorschläge von System 1 gestaf­felt einzuholen, die es kritisch prüft und prüfen muss, und dabei kaum mit „Ersetzungen“ auf die zentrierenden Fragen antworten kann, sondern selbst Antworten dazu produzieren muss.

 

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* Zum Begriff „Intuition“ gibt es kein Stichwort im Verzeichnis bei K. Bei Wikipedia findet sich z.B. dafür: ‚Intuition oder Empfindung’’; Fähigkeit Einsichten zu erlangen ohne diskursiven Gebrauch des Verstandes. Intuition wird als Gefühlsentscheidung verstanden. Auf Verstand beruhende Intuition wird als Inkubation bezeichnet: unbewusst verarbeitet, bewusst eingeschätzt, wenn unbewusst auf eine Lösung gestoßen worden sein soll. 

Die Intuition ist eine zentrale Funktion zur Informationsverarbeitung und zu angemessener Reaktion auf große Komplexität der zu verarbeitenden Daten. Intuition kann manchmal eine besserer Entscheidung treffen, als mit bewusstem Verstand {das unbewusste System 1 verarbeitet extrem viel mehr Informationen als das bewusste System 2, was zwar präziser ist, aber z. B. weniger Effekte beachtet}. S. a. auch bei Teil 3.

 

Klaus Stanke  Dez 2015

 


Fortsetzung des Beitrags "0. Statement" - s. vorn:

 

Unser Statement zu "problemlösende Kreativität"

 

Kreativität

außergewöhnliche Kreativität

problemlösende Kreativität

 

 Fortsetzung des Textes mit:

2. Zu „außergewöhnlicher“ Kreativität

Zur Definition der „außergewöhnlichen“ Kreativität liegt viel weniger vor, obwohl ihre Bedeutung besonders hoch ist. In der Technik, der Wissenschaft und der Wirtschaft ist die außergewöhnliche Kreativität das entscheidende Element für die Innovationen. Auch für andere Bereiche – wie den künstlerisch–musischen Bereich – liegt eine hohe Beutung für sie vor. Trotzdem lassen sich kaum Aussagen zu ihr finden.

In der Wikipedia [W 3] findet sich beim Stichwort „Kreativität“ eine kurze Aussage zu außergewöhn­licher Kreativität: „Kreativität ..... bleibt bis ins hohe Erwachsenenalter erhalten. ... Außergewöhnliche Kreativität ist im Gegensatz zur alltäglichen auch für viele andere Menschen bedeutsam“ [Bo 1]. Fortgesetzt wird bei „Forschungsgeschichte der Kreativität“ „Außergewöhnliche Kreativität lasse sich empirisch-psychologisch und experimentell nicht untersuchen“ [An1]. Bei Alltagskreativität sei das demnach anders, bei außergewöhnlicher Kreativität aber sind z. B. infolge ihrer Spontaneität, fehlender Häufigkeit u. a. keine untersuchende Tests, keine Neuroimaging-Verfahren, keine Kontrollgruppen möglich.

Vielleicht liegt hier ein Grund für die vorgefundene Zurückhaltung zum Definieren, es bedeutet aber nicht, dass der für das Wesen der Kreativität so wichtigen außergewöhnliche Kreativität nicht auf anderen Wegen mehr Aufmerksamkeit, Aufklärung und insbesondere Unterstützung gegeben werden kann. Denn es gibt dazu erfreulicherweise viele, allerdings empirisch–phänomenologische Unter­suchungen mit bemerkenswerten Ergebnissen und Erkenntnissen¹. Zwar firmieren die i. d. R. nicht direkt unter dem Begriff „außergewöhnliche“ Kreativität, aber sind ihr inhaltlich eng verbunden.

2.1. Versuch einer Definition der ‚außergewöhnlichen Kreativität’

Außergewöhnliche und Alltagskreativität² sind zwei charakteristische Erscheinungsformen der Krea­tivität. Die außergewöhnliche Kreativität kann kurz so definiert werden:

     Sie hat einen besonderen, einen hohen Anspruch hinsichtlich der kreativen Leistung.

Etwas konkreter ist sie wie folgt zu charakterisieren:

    Außergewöhnliche Kreativität ist eine besonders hohe Niveaustufe³ von Kreativität, die

    auf determiniertem (s. unten) Wege nicht zu erreichen ist.

    Außergewöhnliche Kreativität ist gekennzeichnet durch

•   Originalität,

•   Neuheit (nicht nur im jeweiligen Umfeld, sondern in ihrer ausgeprägten Form weltweit) und/oder

•   überraschendes Lösungsergebnis (was z.B. aus dem vorhanden Kenntnisstand nicht determiniert ableitbar, aber häufig – besonders auf technischem Gebiet – mit einer Widerspruchlösung erreichbar ist.)

   Sie entsteht in der Regel bei anspruchsvollen Zielsetzungen durch

geeignetes Vorgehen (zielgerichtet, oft durch „Wegleitung“ gestützt; trotzdem auch dann häufig spontan auftretend)

Problemsensivität (Problemerkennung, Problemanalyse)

persönliche Kompetenzen, also nötiges (Fach-)Wissen samt gewonnenen Informationen / Erkenntnissen zum Sachverhalt; Können, Fähigkeiten, Fertigkeit sowie Phantasie, Flexibi­lität, Intuition, Motivation

unter Kreativität fördernden Bedingungen und Voraussetzungen.

Zur außergewöhnlichen Kreativität gehört i. d. R. ein „überraschender Kick“ – beim Problemlösen z. B. häufig die schon genannte Widerspruchslösung. Der wird im künstlerisch-musische Bereich eher eine Empfindung, Stimmung, Eingebung, Wahrnehmung sein, die durch Phantasie, Intuition, Zufall, ... u. a. ausgelöst worden sein kann, und so auch – wie durch die systematische, zielorientierte Vorge­hensweise im wissenschaftlich-technischen Bereich – zu einer originären, einmaligen, überraschenden Lösung führen kann.

2.2. Zur Praxis von außergewöhnliche Kreativität’

Die außergewöhnliche Kreativität wird geprägt durch die jeweiligen Spezifika der unterschiedlichen Anwendungsfelder, in denen sie sich entfaltet. Solche deutlich verschiedene potentielle Felder für die außergewöhnliche Kreativität sind z.B.

 ►        der künstlerisch-musische Bereich (einschließlich den so genannten ‚Kreativwirtschaften’)

 ►       die problemlösenden Prozesse in Technik und Wirtschaft samt deren Forschungsgebieten

 ►        naturwissenschaftliche Gebiete

 ►        Mathematik, Informatik,

 ►        soziale, geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Disziplinen.

Da im Bereich der künstlerisch-musischem Kreativität eine kreative künstlerische Leistung i. d. R. nicht direkt als „Problemlösung“ verstanden wird, sollen unter der Überschrift ‚Statement zu pro­blemlösender Kreativität’ zu diesem Bereich hier keine weiteren Aussagen erfolgen – zumal zu dem Feld die Autoren über keine einschlägigen Erfahrungen verfügen.

Für die typischerweise problemlösende Prozesse in Technik und Wirtschaft samt deren For­schungsgebieten ist das anders. Zwar wird dort die „außergewöhnliche Kreativität“ explizit fast nie angesprochen, aber inhaltlich nahezu immer „gefordert“. Mit einem inhaltlichen Anspruch auf (min­destens einen Anteil) außergewöhnliche(r) Kreativität lässt sich dazu unter den Begriffsattributen zu Kreativität wie „problemlösende Kreativität“, „angewandte“, „technisch-ökonomische“, „wissen­schaftlich-technische“ oder „technische“ ein breites Spektrum von Ausarbeitungen, Methoden, Anleitungen und anderen Unterstützungen in der einschlägige Literatur und Praxis finden1 .

Im praktischen Prozess können bzw. werden beide begrifflich Gegenpole bildende Kreativitäts­formen der außergewöhnliche und Alltagskreativität miteinander verknüpft auftreten und viele Übergangssituationen bilden. Eine formale Abgrenzung zwischen der Alltagskreativität und der außergewöhnlichen Kreativität müsste folglich beachten, dass real beide Formen miteinander verknüpft auftreten bzw. auftreten können, viele Übergangs-formen mitunter möglich, notwendig, praktikabel und so auch selbst Kreativität fördernd sind.

Gerade Alltagskreativität darf nicht bloß auf das ‚Produzieren’ von Ideen beschränkt werden, wenn sie auch öfter damit leider identifiziert wird. Selbstverständlich sind Ideen für eine Lösung nötig. Sie sollten aber auch einen gewissen kreativen Anspruch auf Nützlichkeit erfüllen und nicht „nur Spinnereien“ sein, sondern z. B. mindestens anregend, in bestimmten Maße neuartig sein usw.

Es gilt auch bei Alltagskreativität: nicht „Masse“ der Ideen ersetzt nötige Mindestqualitäts­anfor­derungen, wenn Kreativität gemeint ist. Da sich mit Alltagskreativität viele der psychologisch geprägte Schriften und Methodenvorgaben beschäftigen, soll hier auf diese Thematik nicht weiter eingegangen werden. Dort finden Sie für diesen Typ der Kreativität genügend Anregungen.

Für die Praxis hat die Kategorie „außergewöhnliche Kreativität“ insbesondere die Bedeutung zu er­kennen, dass es ihr Anteil ist, der besonders wichtig und Niveau bestimmend ist, und der bewusst angestrebt werden müsste bei den Anleitungen und Unterstützungsmaßnahmen für praktische Pro­zesse. Da praktische Prozesse eine Mischung auch mit Alltagskreativität haben, soll die weitere Dar­stellung zu solchen realen Mischformen erfolgen, speziell für den Typ der problemlösenden Kreativität mit genügend Anspruch an außergewöhnlicher Kreativität. Dafür sollte das hier zur Kategorie außergewöhnliche Kreativität Vorgestellt ausreichen.

 

3. Problemlösende Kreativität

Mit ‚problemlösender Kreativität’ soll schon mit dem Begriff deutlich werden, was der Kern dieser Kreativitätsanwendung ist: ein bzw. mehrere Problem/e zu lösen!

Solche praktischen Lösungen werden sich nicht auf z. B. die Technik bzw. auf technisch-ökonomische oder wissenschaftlich-technische Themen begrenzen lassen. Somit sind diese Attribute wie „tech­nisch-ökonomische“, „wissenschaftlich-technische“ oder „technische“ nicht ausreichend umfassend und genügend zielführend. Dagegen ist wieder „angewandte Kreativität“ nicht spezifisch genug, denn nahezu alles zu Kreativität – auch Alltagskreativität – würde, wenn nicht gerade theo­retische Fragen betroffenen werden, begrifflich dann darunter fallen. Der Problembegriff hat für die anspruchsvolle Kreativität schon seinen Charme und wer ein echtes „Problem“ hat, braucht zur Be­wältigung i. d. R. schon Kreativität – problemlösende!

3.1. Definition der „problemlösenden Kreativität“

Die problemlösende Kreativität ist eine Erscheinungsform der Kreativität, die für das Schöpfertum und den gesellschaftlichen Fortschritt in der Technik, Wirtschaft und Wissenschaft und ähnlich anfordern­den Prozessen in anderen Bereichen4 maßgeblich und typisch ist. Sie ist dabei durch Problemlösung und einen dafür i. d. R. nötigen Anteil außergewöhnlicher Kreativität geprägt.

Diese problemlösende Kreativität wird durch nachfolgende Merkmale charakterisiert:

1. Ein erkanntes, vermutetes, vorgegebenes oder anders erfasstes Problem ist der typische Ausgangspunkt für einen Arbeitsprozess zur Problemlösung.

2. Sie ist zielgerichtet und zielt dabei i. d. R. auf eine wirtschaftliche Verwertung; dagegen künst­lerisch-musischen Kreativität z. B. auch auf Selbstverwirklichung, Seinserfahrung u. ä.

3. Die erreichte Lösung ist nicht nur originell und problemsensitiv 5, sondern oft im gewissen Maße überraschend und/oder ungewöhnlich.

4. Ein Erreichen einer anspruchsvollen kreativen Lösung tritt in den meist längeren Arbeitspro­zessen oft scheinbar relativ spontan auf. Ihr Auftreten kann zwar durch fördernde Bedingungen (mit geeigneter Arbeitsweise, nach gründlicher systematischer Vorbereitung u. a. m.) unterstützt und deutlich gefördert, aber willentlich (also z.B. auf Wunsch) nicht zwingend ausgelöst werden. Dieser längere Arbeitsprozess ist keinesfalls mit der Ideenfindung abgeschlossen.

5. Die kreative Leistung ist infolge der nötigen Einmaligkeit der Lösung (die Einmaligkeit muss erst geprüft werden) erst nach dem Finden des kreativen Lösungsansatzes /der kreativen Idee (also nach einem relativen Zwischenstand auf dem Weg zu ihrer Umsetzung) - damit quasi erst hinterher – als kreative Lösung erkennbar.

6. Eine gewisse nötige Niveauhöhe 6 der kreativen Leistung liegt vor – im Idealfall z.B. eine Widerspruchslösung, die gegensätzliche, sich widersprechende Aspekte in einer neuartigen Lösung elegant beseitigt bzw. überwindet. Eine solche Problemlösung kann z.B. als höchste Kreativitätsstufe in der Technik zu Erfindungen und darauf bauend zu Innovationen führen.

7. Typische Resultate der problemlösenden Kreativität auf dem Feld von Technik, Wissenschaft, Wirtschaft und analog fordernden Bereichen sind:

a. eine patentfähige Erfindung,     

b. eine analog bedeutende Entdeckung 7 oder

c. eine analog bedeutende Gestaltung unterschiedlicher Komplexität (z. B. eine Gesetzmäßigkeit; ein Icon, Modell oder Design [Formgestaltung, Werbeschrift], eine Konstruktion oder Projek­tierung, ein Programm[-system] o. ä.).

8. Sie ist ohne fundiertes Wissen und (Fach-)Kenntnissen zum Sachverhalt praktisch nicht realisierbar. Auch mit diesen allein ist die eigentliche kreative Leistung selbst nicht zwingend herbeiführ- oder ableitbar (vgl. 9.). Eine kreative Leistung erweitert das vorhandene Wissen! Das gilt auch bei Grenzdisziplinen und sich überlappenden Anwendungsgebieten.

9. Zum Anteil außergewöhnlicher Kreativität gehört in der Regel als Auslöser ein noch weiter aufzuklärender Faktor (Erkennen und Begreifen des Neuen nach systematischer Vorbe­reitung, Gesichtsfelderweiterung und/oder durch Zufall, als Geistesblitz, durch Fantasie, Intuition usw.), der z. B. durch Kreativitätstechniken u. a. gefördert, aber nicht sicher geschaffen werden kann, auch wenn er letztlich für das kreative Resultat wesentlich ist.

10. Trotz ihres Anteils außergewöhnlicher Kreativität weist sie insbesondere aus der Sicht der Metaebene Gemeinsamkeiten in den verschiedensten Anwendungsgebieten und Problemsituationen auf. Das ermöglicht, eine ihr nützliche handlungsorientierte Arbeitsweise zu ermitteln und vorzugeben.

Mit dieser Definition weist sich problemlösende Kreativität als typische Anwendungsform der außer­gewöhnlichen Kreativität für Technik, Wissenschaft, Wirtschaft und analog fordernden Bereiche aus. Dabei hat der Problembegriff folgerichtig für das Verständnis der problemlösenden Kreativität eine zentrale Bedeutung. 

3.2. Zum Problembegriff bei „problemlösender Kreativität“

Dieser Problembegriff hat nichts mit dem oft umgangssprachlich und z. T. negativ verwendeten Wort ‚Problem’ zu tun. Im Gegenteil: Das Erkennen und klare Formulieren eines Problems im Sinne des Problemlösungs­prozesses ist oft schon die „halbe“ Lösung.

Problem im Sinne des Problemlösungsprozesses ist für die geistig-schöpferische Arbeit eine sehr produktive, unverzichtbare Kategorie. Problemerkennung und -lösung sind Zündstoff für das Neue, den Fortschritt und damit für bedeutende Innovationen. Die bewusste, methodisch-systema­tische Auseinandersetzung mit Problemsachverhalten fördert die Überwindung von Denkbarrieren, Hindernissen und/oder von scheinbar unverträglichen Gegensätzen.

Zur problemlösenden Kreativität gehört damit ergänzend die vereinfachte Charakteristik des Problembegriffes aus dem Unterschied von Aufgabe und Problem.

 

Bei einer Aufgabe ist der Lösungsweg, das „Wie“, hinreichend klar, bekannt oder gegeben, bei einem Problem ist er nicht oder nicht ausreichend sicher bekannt. Beide – Aufga­ben- und Problemlösung – machen natürlich Arbeit, nicht selten eine Aufgabe sogar mehr als manches Problem“ [S1, S. 18.f].

 

Oft erfordert der Aufgabenlösungsprozess höchste fachliche Qualifikation, Spezialisierung, Erfahrungen und anspruchsvolle technische und informationelle Arbeitsmittel. „Beim Problem muss vor der eigentlichen inhaltlichen Lösung erst noch der Lösungsweg erarbeitet werden, oft schrittweise, das ‚Wie’, also eine Methode, Vorgehensweise usw. zur Lösung des Problems (vgl. Bild 1). ... Hier helfen meist die Kreativitätstechniken.

Wenn aber der Nutzer nach z. B. drei Schritten einer solchen Methode meint, besser ohne sie auszukommen, dann bitte, hat er die Wahl zu versuchen auch ohne sie auszukommen. Denn Kreativitätstechniken, wie alle Methoden, Vorgehensweisen usw., ersetzen nicht das „Schöpfertum“, die Kreativität. Sie führen direkter und einfacher an das Schöpferische heran. Darin liegt ihr Wert.“ [S1, S. 18.f]. 

 

Trotz dieses aus der Anwenderpraxis für den Nutzer gebotenen ‚Wahl’-Hinweises sind die Kreati­vitätstechniken und die Art ihrer Nutzung im Rahmen einer Kreativität fördernden Arbeitsweise für den Problemlösungsprozesse und für die Entfaltung der Kreativität wesentlich. Sie sind das Beste, was z. Z. aus den empirischen-phänome-nologischen Untersuchungen und Analysen an Erkenntnissen zur Kreativitätsförderung bei problemlösender Kreativität bereitgestellt werden kann.

Erst mit dem „Problembegriff“ zeigt sich der Lösungsweg als eine für die Kreativität so wichtige Komponente. Und gerade mit „Kreativitätstechniken“ u. a. kann dafür Beachtliches bereitgestellt werden. So erweist sich der Begriff „problemlösende Kreativität“ für die Entfaltung der Kreativität - insbesondere der außergewöhnlichen - als überaus nützlich und treffend.

Eine ergänzende Anmerkung 1 zur o. g. einfachen Unterscheidung von Aufgabe und Problem ist noch nötig: deren Merkmal 'Verfahren/ Methode gegeben/ bekannt oder nicht bekannt' ist recht grob. Inhaltlich soll damit angesprochen sein, dass sich die (kreative) Lösung nicht formal nach Methoden/ Regeln – im Unterschied zu Aufgaben – ableiten lässt. Methoden für den Problemlösungsschritt können durchaus angeben werden. Mit ihnen ist der Übergang von der Suchfrage zum Generieren einer neuartigen, eventuell wider-spruchsüberwindenden Lösung unbestimmt, ungewiss und mehrdeutig. Es gibt in diesem Fall keine(n) Methode / Weg, um mit dem vorhandenen Informationen formal so zur Lösung zugelangen. Für die entsprechende Suchfrage gibt es rein formal keine Erfolg verspre-chende Lösung. Aber es können im Problemlösungsprozess weitere heuristische Verfahren/Methoden genutzt werden, so wird z.B. oft das Problem weiter „zerlegt“, um eventuell auf der nächsten Hierarchieebene durch das Konkretisieren Lösungselemente auch aus dem Bekannten zu finden, die durch kreative Kombination bzw. Synthese neue innovative Ergebnisse entstehen lassen.

3.3. Zur Praxis von „problemlösender Kreativität“

Zu dem in Punkt 9 des Abschnitts 3.1. genannten ‚Auslöser’ gibt es nicht nur unter-schiedliche Auf­fassungen, sondern er ist auch relevant für eine unterschiedliche Praxis des Herangehens an die Kreativitätssituation (die dabei nicht immer der problemlösenden Kreativität zu geordnet werden kann oder soll). Schon die Kausalität des ‚Erkennen und Begreifen des Neuen’ verweist auf zwei deutlich unterschiedliche Kriterien für die Wahrnehmung als kreative Leistung.

Die Unterschiede im Herangehen können grob wie folgt charakterisiert werden.

I. Die auf systematisch-analytische u. a. orientierte gründliche Vorbereitung der Lösungsfindung setzt i. d. R. auf einen längeren Prozess ausgehend von einem dabei herauszuarbeitenden Ideal (z. B. als ‚Ideales Endresultat’ (IER) bezeichnet), von dem das nötige Ziel abgeleitet wird. Für dieses werden dann mit Unterstützung geeigneter Kreativitätstechniken zielgerichtet Lösungen mit hohem An­spruch gesucht. So ein Vorgehen ist i. d. R. nicht im Schnellgang zu haben und deshalb keineswegs überall beliebt.

II. Ganz anders ist das Vorgehen, wenn von vornherein vorrangig auf die Intuition (s. Anmerkung 2 unten), auf das Hoffen auf den spontanen genialen Einfall‚ auf den ‚göttlichen Funken’ u. ä. gesetzt wird. Natürlich findet da auch eine gewisse Analyse und Vorbereitung der Lösung statt, aber mit einer deutlich anderen Qualität und Konsequenz. Das systematische Herausarbeiten des nötigen Kerns und der bestimmenden Bedin­gungen der kreativen Lösung findet kaum statt. Das Hoffen auf den genialen Einfall, auf die Intui­tion lässt den Arbeitsprozess aber einfacher, wesentlich weniger aufwändig erscheinen und vor allem kürzer.

Kommt allerdings bei II. der erhoffte Einfall dann (meist) nicht, verlängert sich der Prozess deutlich und / oder oft wird ein geringer wertiges Resultat als möglich akzeptiert. Das ist z. B. typisch für das Brainstorming. Schnell sind viele Lösungsvorschläge „gesammelt, das Beste sei ausgesucht!“ Das kann durchaus ausreichen, wenn tatsächlich eine kreative Leistung dabei ist. Es ist aber nur das relative Optimum aus der vorhandenen Vorschlagssammlung, nicht gemessen z. B. an dem „Idealen End­resultat“ (IER) wie bei I. . Die sehr kreative Anregung z. B. aus dem IER rückrechnend ein nötiges Zielniveau abzu­leiten, entfällt so leider bei II.. Folglich fehlt auch die Ableitung einer Widerspruchs-problematik. Also zu be­stimmen, was hindert, das Ziel zu reichen und die dabei erkannten widersprüchlichen Gegebenheiten (heiß und zugleich kalt) nicht zum Kompromiss (lauwarm) zu optimieren, sondern eine Wider­spruchs­­lösung mit Hilfe gegebener Kreativitätstechniken zu suchen, was i. d. R. erst ermöglicht, für problem­lösende Kreativität einen hohen Anteil außergewöhnliche Kreativität zu sichern. 

Deshalb sind für problemlösende Kreativität als Auslöser für das Erkennen und Begreifen der kreativen Lösung z. B. charakteristisch:

 •  systematische Analyse, Suchverfahren, Kombination, Analogiebildung und Bewerten der gefundenen Ansätze

 •  systematische, zielorientierte Gesichtsfelderweiterung u. Bewerten der gefundenen Ansätze

 •   gesteuertes Trial and Error

ohne damit die Fantasie, den Zufall oder die Intuition als Lösungsschritt oder als in das systematische Vorgehen integrierten Schritt in seiner Bedeutung für die problemlösende Kreativität zu negieren.

Eine ergänzende Anmerkung (2) zu Intuition:  Intuition sollte hier so verstanden werden, wie sie Kahneman [Ka 1, S. 23 u. 292] von Herbert Simon [Simon, H.A.: “What Is an Explanation of Behavior?“, Psychological Science 3 (1992), S.150-161] zitiert „Die Situation liefert einen Hinweisreiz (cue); dieser Hinweisreiz gibt dem Experten Zugang zu Informationen, die im Gedächtnis  gespeicherten sind, und diese Informationen geben ihm die Antwort. Intuition ist nicht mehr und nicht weniger als Wiedererkennen." Dieses die Intuition entmystifizierende Zitat kann das spezifische Aufrufen von vorhandenen, im Gehirn gespeicherten Informationen des unwillkürlichen Denken (System 1 nach Kahneman) für den kreativen Lösungsprozess als verständlich einbeziehen und dabei voll auf den ‚göttlichen Funken’ u. ä. verzichten. Mit dieser Einordnung der Intuition kann der Weg I. gut zu recht kommen, wenn durch das willkürliche Denken (das langsame Denken, das ‚System 2’ nach Kahneman) systematisch z.B. mit den informationellen kreativen Arbeitsmitteln u. a. solche Hinweisreize systematisch produziert und genutzt werden.

Leider findet in der Literatur – wohl einem zwar verständlichen, aber unrealen Wunsch der Anwender nach schnellen Lösungen zu sehr folgend – der systematische Weg durch die Mühen der Ebenen (I.) zu wenig Würdigung und Anerkennung. Der schnelle Weg genial mit Intuition als Gipfel (II.) wird mit vielen Varianten der ‚Ideenfindung’ gewürzt, kann aber leider damit kaum zum real leider mühseligen Erkennen des Kerns einer kreativen Lösung beitragen.

Eine kritische Analyse eines so gegangenen Weges II. und seines Erfolgsniveaus – falls es überhaupt so etwas wie „Weg“ oder „Erfolg mit nötigem Niveau“ gab - findet kaum statt. Deshalb kann im strengen Sinne das Vorgehen nach II. nicht der problemlösenden Kreativität zu geordnet werden, praktisch sollen aber auch unten genannte Mischformen mit Alltagskrea­tivität nicht von vornherein ausgeschlossen sein.

Verständlich damit, dass problemlösende Kreativität einer besonderen Förderung und Anerkennung ihres Weges bedarf.

Die gegebene Definition der problemlösende Kreativität (Abschnitt 3.1) grenzt sich zur künstlerisch-musischen Kreativität ab und erfasst auch den Arbeitsprozess zur Lösungs­findung. Er ist bei problemlösender Kreativität meist lang und dabei auch relativ komplex. Das bietet zusätzlich eine gewisse Abgrenzung zur Alltagskreativität. Diese kann als weniger anspruchsvoll z. B. bezüglich der Origina­lität, der Einmaligkeit und Verwertbarkeit der Ergebnisse eingestuft werden und entsteht meist nicht in einem längeren und komplexeren Arbeitsprozess.

Gerade letzterer kann – erweitert um den objektiv hohen Stellenwert der problemlösende Krea­tivität im Bereich Technik, Wissenschaft und Wirtschaft und ähnlich anfordernden Prozessen in an­deren Bereichen für die Entwicklung der Gesellschaft und deren Existenzgrund­lagen – als weitere er­gänzende Charakterisierung gelten. Deshalb soll im Abschnitt 3.5 ein Versuch einer Kurzcharakteristik dieses Arbeitsprozesses / Problemlösungs­prozesses bei problemlösender Kreativität erfolgen, wohl wissend, dass es nur ein Abriss ist und den nötigen eigenständigen Komplex “Problemlösungsprozess“ dieser Website nicht ersetzen kann.

Die im Bereich Technik, Wissenschaft und Wirtschaft und ähnlich anfordernden Prozessen in an­deren Bereichen typischen Arbeitsprozesse werden von Personen und/ oder Teams i. d. R. be­ruflich ausgeführt. Ihre Aufgabe es ist, letztlich neue Lösungen zu erarbeiten, diese umzusetzen und so Innovationen zu erreichen, die die Entwicklung der Wirtschaft und Gesellschaft vorantrei­ben, ihre Evolution absi­chern.

Problemlösende Kreativität hat als typische Anwender Forschungs- und Entwicklungs­teams oder Einzelpersonen, aber auch „freie“ Einzelerfinder, Kleinunternehmen oder solche, die sich auf diesen Weg begeben, um zu versuchen, mit hoher Motivation, Einsatzbereitschaft und Pro­fessionalität nach solchen kreativen Problemlösungen zu streben.

Zur problemlösende Kreativität in o. g. Bereichen sollten aus praktischen Gründen toleranter­weise auch die Arbeitsprozesse zählen, die problemlösende Kreativität anstreben / anstrebten, aber letztlich die Problemlösung nicht erreichten. Das kommt der genera-lisierenden Aussage von vorn entgegen, dass Kreativität eine spezielle Form des Denkens sei.

Etwas vereinfacht könnte damit so formuliert werden:

Als mit ‚problemlösender Kreativität gelöst oder bearbeitet’ sollen vereinfacht die Arbeitsprozess von Forschungs- und Entwicklungsteams oder Einzelpersonen einschließlich „freien“ Einzelerfinder bezeichnet werden, die i. d. R. meist vielfältige Formen von Kreativität – also auch Alltagskreativität – nutzen, wenn mindestens ein Anteil außergewöhnlicher Kreativität im Ergebnis erzielt oder ange­strebt wurde.

In Technik und Wirtschaft ergib dieser Anteil außergewöhnlicher Kreativität insgesamt eine hohe Niveaustufe der Kreativität für die Problemlösung, die i. d. R. durch eine Widerspruchs­lösung, eine patentfähige Erfindung oder eine analog bedeutende Entdeckung/Gestaltung unterschiedlicher Komplexität (ein Icon; eine Gesetzmäßigkeit; Modell; Design [Formge-staltung, Werbeschrift, ...], Konstruktion; Programm[-system] oder ähnliches) beschrieben und die nach Prüfung ihrer Originalität, Neuheit usw. i. d. R. dann als solch hohe Niveaustufe anerkannt werden kann.

3.4. Problemlösende Kreativität in Technik, Wissenschaft und Wirt­schaft

Einerseits wurden durch gezielte Förderung problemlösender Kreativität bedeutende Problemlösungen erreicht und andererseits wird das Potential noch nicht genügend gezielt genutzt.

Dazu sei aus [H 1, s. S. 76] Förster, F. zitiert: „…jeder in seinem Lebensbereich, sei dieser nun groß … oder klein ... (hat) die Chance, seine Fähigkeiten bis zu einem gewissen Grade zu entwickeln, Kre­ativität zu lernen, dass er also in gewissen Grenzen selbst für sein Schöpfertum verantwortlich ist. Zum anderen ist wichtig, dass nicht nur große Geister außerstande sind, ihr schöpferisches Potential voll auszuschöpfen, … die in ihm schlummernden kreativen Kräfte voll zur Entfaltung zu bringen. Das heißt, dass das latente schöpferische Potential unseres Volkes ungleich größer ist als das nach außen zur Wirkung kommende. Die Kreativitätsforschung führt als Beweis eine Reihe historischer Fakten an, z. B. die ungewöhnlich große Zahl besonders kreativer Künstler in der italienischen Renaissance oder die überraschende Dichte hochbegabter Musiker in Mitteleuropa, besonders in Thüringen im 18. Jahr­hundert.

Eine so ungewöhnliche Häufung großer Künstler … ist keinesfalls … aus Vererbung zu erklären. Die historischen Beispiele vermitteln die fundamentale Erkenntnis, dass ein Kreativität förderndes Klima in Familie, Schule, Umgebung und Land große Bedeutung hat. Solch kreativitäts-freundliches Klima ermöglicht es einer viel größeren Zahl von Menschen das in ihnen angelegte Schöpfertum zum Wachsen und zur Wirkung nach außen zu bringen als in Zeiten, wo kreative Impulse in Erziehung, Schule und Ausbildung nicht nur ohne Förderung bleiben, sondern sogar unterdrückt werden.“

Heister [He1] hat zum Stellenwert und der nötigen Förderung insbesondere der problemlösenden Kreativität in seinem umfangreichen Werk „Bildung Erfindung Innovation“ Band 2 dazu diese, die eingangs zitierten und weitere klare, wichtige Ausführungen gemacht. Seine auch kritischeren Aussage müssen leider bestätigt werden, wenn er feststellt, dass eine gewisse technikfeindliche Einstellung vorzufinden ist und es nicht leicht ist, der problem­lösenden Kreativität „... wenigstens öffentliche Akzeptanz zu verschaffen ... Ähnliche Erscheinungen zeigen sich im Bereich der öffent­lichen Meinungsbildung. ... Das öffentliche Ansehen des kreativen Problemlöser muss dringend zum Positiven verändert werden.“ [He 1, S.84 f.].

Da auch in den Unternehmen zunehmend die Notwendigkeit auftritt, sich gegen Widerstände bei der kreativitäts- und Innovationsförderung zu wappnen – z. B. wenn die vorhandenen personellen, technischen u. a. Strukturen mit den von der Innovation / Neuerung geforderten nicht übereinstim­men, oder deren Komplexität einfach höher ist oder das ‚gut geplante Unternehmen’ einem Hang zur Risikovermeidung folgt, oder sozialbedingte Widerstände auftreten (neue Führungsgeneration; Machtpositionen,...) u. ä. m. – ist einfach vielmehr zur Förderung der problemlösenden Kreativität zu leisten, soll sie weiter genügend Lösungen bereitstellen, um die so nötige Innovationen umsetzen zu können.

Den positiven Stellenwert der Kreativität hebt die „Gesellschaft für Kreativität e.V.“ [Ge 1] in ihren Thesen zu ‚Wider das Schattendasein der Kreativität’ z. B. für den Arbeitsprozess, für den „privaten“ Bereich und für die Gesellschaft selbst einschließlich der Kunstbereiche hervor. Danach motiviert Kreativität, führt zu Erfolgserlebnissen und der Anwender findet darin Erfüllung seines Wirkens und/oder Lebens. Das gilt insbesondere im Beruf, auf technischen, wirtschaftlichen oder künstlerischen Gebiet, aber auch im privaten Bereich. Kreativität wird als die „Quelle aller Innova­tionen“ bezeichnet und beeinflusst so wesentlich Wohlstand und Lebensqualität. Sie sei eine „uner­schöpfliche Ressource – eine Energiequelle, die nie versiegt“. Die Thesen fordern konsequen­terweise ihre Förderung, „denn sie entsteht in der Technik und Wirtschaft nur selten im Selbstlauf.“

Im zitiertem Material von Heister [He 1] heißt es auf S. 18 f. zu problemlösender Kreativität: “Krea­tivität ist die Fähigkeit, schöpferisch, originell, folgerichtig systematisch zu denken und als wertvoll erkannte Gedanken zu konkretisieren“ und weiter zu „Voraussetzungen für kreatives Problemlösen“ gehören „… - Motivation, … - Fähigkeiten, … - Kenntnisse und … Fertigkeiten“ dazu.

Da der kreative problemlösende Prozess im o. g. Bereich Technik und Wirtschaft auch auf schwierige, sogar behindernde und störende Elemente treffen kann und trifft, ist

„ ... Motivation als Vorausset­zung für problemlösende Kreativität ...“ [He 1, S. 22 f.] unerlässlich und „... für wirksam problemlö­sende Kreativität ist außer der Motivation ein ganzes Bündel einschlägiger Fähigkeiten erforderlich. Diese stark genetisch bedingten Fähigkeiten des Menschen sind ein besonders pflegebedürftiges Potential. ... Die frühe Förderung ... der ... für problemlösende Kreativität wichtigen Fähigkeiten ... kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

In [He 1, S.49 f.] werden nachfolgend die Fähigkeiten zur Fantasie, zur Intuition, zum logischen Denken und zur „Belastbarkeit“ ausführlich dargestellt. Da diese Faktoren relativ einsichtig sind, soll hier der Verweis auf diese Quelle ausreichen.

Problemlösende Kreativität für das Gebiet der Technik, Wissenschaft und Wirtschaft und analog for­dernde Bereich mit ihrem Anteil außergewöhnlichen Kreativität hat entscheidende Bedeutung für die Innovationsfähigkeit der Gesellschaft. Sie kann entstehen in deren zielgerichteten Arbeitsprozessen beim Bearbeiten von Problemsituationen, wenn (mindestens) eine überraschend neue Lösung mit ansprechenden Niveau erreicht wird, die die Kriterien der Einmaligkeit/Originalität erfüllt, und für die durch eine geeignete Anregung ein Gedankensprung zur Problemlösung ermöglicht wurde.

 

 

3.5 Kurzcharakteristik des Arbeitsprozesses/ Problemlösungs­prozesses bei problemlösender Kreativität

Vorgestellt wird hier die methodische Komponente.

Während für die vielen wenig komplexen Kreativitätstechniken (daher auch z. B. Einzelme­tho­den benannt) sich systematische Übersichten finden lassen, ist das für die real meist kom­plex­eren oder den kompletten Problemlösungsprozess (PLP) – naturgemäß – schwerer. Je komplexer umso mehr dominiert die jeweilige Spezifik der Lösungsfindung. Daraus der Schluss: der komplexe PLP lässt sich nur darstellen, wenn er deutlich von der jeweiligen Spezifik befreit und so nur das (methodische) Gerippe erfasst wird. Das zeigt die Literatur, die Dutzende, ja Hunderte bis je nach Detailliertheit gar 1000e solcher Einzelmethoden umfasst, oft ohne das deren methodischer Kern eine ausreichende Differenzierung ausweist. Bei komplexen Methoden wird oft nur die (allein selig machende) eine Variante des jeweiligen Autors vorgestellt, dafür auch mit vielen Details untersetzt, die die Anwendungsbreite naturgemäß wieder einschränken – einen Stein der Weisen wird es dabei nicht geben.

Allerdings zeigt die Praxis, dass das kein großes Problem zu sein scheint. Zwei, drei Dutzend solcher (externer) Einzelmethoden gut zu beherrschen, die hinreichend zu dem inneren Methodenvorrat passen, und eine gewisse Strategie für den Einsatz dieser Methoden zu nutzen, sind besser als sklavisch einem komplexen System zu folgen, wo viel Aufwand für die methodische Seite erforderlich ist. Wenn jetzt diese Strategie noch allgemein genug ist, ist sie auch kein Hindernis für die Nutzung einer etwas spezifischeren Komplexmethode, denn auch die wird sich dann diesem allgemein nötigen Vorgehen unterordnen. So kann eigentlich nicht viel fehl gehen, wenn nicht erwartet wird, mit dieser Strategie komme man quasi automatisch zur Lösung. Der konkret zu gehende Weg kann und muss damit noch systematisch erarbeitet werden. Das ist ein Teil der Mühen der Ebene des Vorgehens nach I. vom Abschnitt 3.3.

Die Strategie allein also nutzt wenig, sie muss noch untersetzt werden. Aber da sie viel einfacher erscheint, bietet sich die Change, hier die allgemeine Strategie etwas näher zu beschreiben, um die Vorstellung vom PLP zu stützen. Wer allerdings über Erfahrungen mit der Nutung eines spezifischeren PLP verfügt, sollte dabei bleiben, wenn er zu Vorgehen und Aufwand dafür Akzeptanz hat. Er kann das folgende aber zum Vergleich mit seiner Arbeitsweise nutzen. Das gilt umso mehr, als hier nur der Ablauf, der methodische Teil des Vorgehens beschrieben werden soll. Die Art und Weise kreativen Arbeitens mit der Systematik, der Logik, des funktionellen Vorgehen der Systemtheorie besonders in den Technikbereichen, die heuristischen Prinzipien, die Zielorientiertheit, die Ausdauer usw. , die für einen Erfolg immens wichtig sind, genauso wie persönlich Eigenschaften, können hier im Abriss nur erwähnt werden.

Schritte eines Problemlösungsprozess

Vorn wurde definiert: Ein erkanntes, vermutetes, vorgegebenes oder anders erfasstes Problem ist der typische Ausgangspunkt für einen Arbeitsprozess zur Problemlösung. Eminent wichtig ist die Aufbereitung des erkannten oder vorgegebenen Problems. Davon hängt der Lösungserfolg in sehr hohem Maße ab. Es zeigt sich dabei leider oft, dass das ursprünglich Erfasste gar nicht das tatsächlich treffende Problem ist. Diese Phase des PLP hat damit zu „kämpfen“, dass der motivierte Bearbeiter „schnell durch“ will zur Lösung, aber am Anfang die Problemlösung selbst eigentlich im Zustand des ‚Nichtwissens über sie selbst’ ist. Da rächt sich jede Beschleunigung.

 

Je nach Problemlager kann die Analysephase mehrstufig ausfallen (also dass das/die Problem/e in unterschiedliche Hierarchieebenen zerlegt werden muss/müssen), sie sollte stets vom idealen Endresultat ausgehend zurück zum realen Ziel betrieben werden, vielfältige Analysemethoden nutzen und v. a. m. Die zu so ermittelnde/n Suchfrage/n bieten die Ansatzpunkte zum Lösungs­prozess, für den geeignete Handlungsfolgen als methodische Stützung in frage kommen. Sie können im Operationsplan erfasst die Problemlösung organisieren, der in der Regel die Über­führung in die Nutzung folgen sollte. Das erfordert, schon in der Analysephase der Aufgaben­stellung z. B. Fragen der Kapitalbereitstellung mit zu prüfen, damit nicht die Lösung durch fehlende Finanzierung ohne Nutzung bleibt. U. a. auch deshalb anfangs zwei Analysephasen.

Bild 2  zeigt die Grobstruktur.

  

 In einer mehr methodenorientierter Schreibweise kann der PLP z. B. so wie in Bild 3 vorgestellt werden:

 

4. Siehe auch:

o Kreativität;

o außergewöhnliche Kreativität;

o Problem;

o Problemlösen; Problemlösende Kreativität mit System

o Widerspruchslösung;

o Kreativitätstechniken;

5. Quellen und Fußnoten:

[A 1] Andreasen, N.: The creativy brain. The neuscience of genius. New York: Pana press 2005 ISBN 1-932594-07-8

[B 1] Boden, M.: The creative Mind. Mythos and Mechanisms. London: 1990 ISBN 0-415314-53-4

[Ge 1] Gesellschaft für Kreativität e. V.. www.gesellschaftfürkreativität.de, 2014

[He 1] Heister, M.: Bildung Erfindung Innovation. Band 2, Bonn: Verlag Iduso GmbH 2013

[Ka 1] Kahneman, D.: Schnelles Denken, langsames Denken. Siedlerverlag München 2012

[Me 1] Mehlhorn, J.: Vorwort zum Jahrbuch der Kreativität 2014. Jahrbuch der Kreativität 2014. E-Books www.jpmk.de Köln 2014

[St 1] Stanke, K.: Handlungsorientierte Kreativitätstechniken. Für Junge , Einsteiger und Profis mit BONSAI-System der Kreativitätstechniken. Berlin: trafo Wissenschaftsverlag 2011 ISBN 937 386464 001- 8 www.kreativität-techniken.de

[St 2] Steinberg, R.: Handbook of Creativity. Cambridge: Univ. Press 1989 ISDN 0521 57604-0-0521 57604-0

[Wiki 3] WIKIPEDIA Stichwort „Kreativität“ Stand 27.02.2014

[Wiki 4] WIKIPEDIA beim Stichwort „Kreativität“: [Holm-Hadulla 2011]

[Wiki 5] WIKIPEDIA Stichwort „Guilford, J. Paul“; Stand 27.02.2014

 

   Fußnoten

1) Vgl. Geschichte der problemlösenden Kreativität und Literaturliste im Webspacee www.problemlösendekreativität.de

2) s. z. B. [St 2] (Steinberg, R.: Handbook of Creativity: Cambridge Univ. Press 1989 ISDN 0521 57604-0-0521 57604-0)

3) In z. B. problemlösenden Prozessen in Technik und Wirtschaft kann von außergewöhn­licher Krea­tivität i. d. R. dann gesprochen werden, wenn eine hohe Niveaustufe der Kreativität durch eine Widerspruchslösung, eine patentfähige Erfindung oder eine analog bedeutende Entdeckung / Gestaltung gekennzeichnet ist, und diese nach Prüfung deren Originalität, Neuheit usw. als solche Niveaustufe bestätigt werden kann.

4) Da im künstlerisch–musischen Bereich der Problembegriff keineswegs so gängig ist, auch wenn letztlich ein ‚bedeutendes Bild oder Musikstück’ für den Künstler doch „seine Problemlösung“ sein kann oder ist, wird mit dem gewählten Begriff der ‚problemösenden Kreativität’ zugleich eine für die Anwendung geeignete Differenzierung gegeben, die zusätzlich orientierend wirkt, indem er die problemlösende Kreativität vorrangig als auf den Feldern von Wissenschaft, Technik und Wirtschaft angesiedelt betrachtet.

5) Ein Problem, was nach einer Lösung bedarf, zu erkennen (zu ‚problemisieren’). So z.B. alte Probleme, bekannte Sachverhalte aus neuer Sichtweise zu betrachten, neue Möglichkeiten u. / o. Zusammenhänge aufzeigen ► erfordert kreative Leistung.

6) Für die Niveauhöhe lassen sich mehrere Stufen denken. Keineswegs sind alle innovations­trächtig oder lassen sich nur auf Bereiche außergewöhnliche Kreativität begrenzen. Selbst mit Alltagskrea­tivität sind Innovationen auslösbar.

7) Hier sei „kreativ“ z. B: aus dem beobachteten Phänomen, was evtl. schon viele sahen, erstmalig einen neuartigen Schluss zu ziehen.

Weblinks:

www.wikipedia.de/problemlösendekreativität

www.storyal.de

www.kreativität-techniken.de

www.dietmar-zobel.de 

Die kreativen Problemlöser

Autoren: Dr. Klaus Stanke unter Mitwirkung / Mitautorenschaft von Prof. Dr. Peter Koch

durchgesehen: 23.3.2017

Dr. Klaus Stanke | Kreastanke@gmx.de